Sonntag, 9. Dezember 2018

Innere Kündigung Kein Tadel ist schon Lob genug

Ein Unternehmen ist so gut wie seine Mitarbeiter. Doch einer jüngsten Studie zufolge fühlt sich ein Fünftel aller Angestellten emotional nicht an das eigene Unternehmen gebunden. Die Ursache dafür findet sich oft im Umgang mit dem Chef.

Hamburg - Der Weg bis zur inneren Kündigung ist meist lang. "Das ist ein schleichender Prozess", sagt Karriereberaterin Svenja Hofert. Häufig ließen sich die Mitarbeiter ab einem bestimmten Punkt nicht anmerken, wie unzufrieden und demotiviert sie sind, erklärt Hofer. Spätestens dann seien sie von der "inneren Kündigung " nicht mehr weit entfernt. Generell sei die Neigung gering, mit den Vorgesetzen über die Gründe für nachlassende Motivation zu reden. Angesichts der schwierigen Konjunkturlage werde die Bereitschaft dazu sogar noch abnehmen.

Unmotivierte Mitarbeiter: Sie können Unternehmen durch reichlich Fehltage und ungenaues Arbeiten bares Geld kosten
Häufig hätten Führungskräfte kein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter. An diesem Punkt macht sich nach Meinung von Hofer bemerkbar, dass in Deutschland Führungskräfte in erster Linie nach fachlicher Kompetenz ausgewählt würden und nicht mit Blick auf ihre sozialen Fähigkeiten. Viele merken gar nicht, wenn ihre Untergebenen die Motivation verlieren. Eine Chance dazu bieten Hofert zufolge regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche. Allerdings werden sie selten genutzt: "Dabei werden oft nur Checklisten abgehakt." Solche Gespräche, bei denen Mitarbeiter Gelegenheit haben, ihre Vorstellungen über den weiteren Berufsweg zu formulieren, können jedoch ausgesprochen positiv für deren Motivation sein.

"So ein Vier-Augen-Gespräch braucht es nicht nur einmal im Jahr zu geben", sagte die Karriereberaterin. "Das kann ruhig öfter sein, muss aber keinen festen Rhythmus haben." Viele Chefs sind ihrer Meinung nach außerdem nicht besonders talentiert darin, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Sehr häufig zeigen sie wenig Anerkennung für deren Leistungen - was das Engagement der Mitarbeiter hemmt.

Motivationsdämpfer seien in vielen Unternehmen auch die formalen Regelungen zum Einstieg in den Beruf oder zum Wechsel zwischen verschiedenen Positionen. Deutsche Arbeitgeber seien da oft strikt. "Das fängt damit an, dass Personalentscheider häufig sehr geradlinige Lebensläufe bevorzugen und geht damit weiter, dass man oft nicht einmal vom Marketing ins Controlling wechseln kann", sagte Hofert. Mehr Flexibilität dabei könne auch mehr Motivation bedeuten.

Nach dem am Mittwoch veröffentlichten "Engagement Index 2008" des Beratungsunternehmens Gallup hat in Deutschland jeder fünfte Arbeitnehmer "innerlich gekündigt". Die große Mehrzahl (67 Prozent) macht lediglich Dienst nach Vorschrift. Von den 2000 befragten Arbeitnehmern sind gerade 13 Prozent wirklich engagiert. Der Lichtblick dabei: Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Andreas Heimann, dpa/tmn

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH