Freitag, 16. November 2018

Siemens-Skandal Ex-Vorstände sollen haften

Siemens geht nach Presseinformationen gegen mehrere Ex-Vorstände vor, um sie für die Folgen der Korruptionsaffäre haftbar zu machen. Das Präsidium des Aufsichtsrats soll beschlossen haben, Aktienvermögen einzubehalten, das Heinrich von Pierer und anderen ehemaligen Managern vertraglich zustünde.

München - Als Ausgleich für den Milliardenschaden durch die Korruptionsaffäre will Siemens Börsen-Chart zeigen einem Bericht zufolge millionenschwere Ansprüche von Ex-Vorständen einbehalten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, hat das Aufsichtsratpräsidium des Unternehmens beschlossen, Aktienoptionen des früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer und weiteren Ex-Vorständen einzufrieren. Die Zeitung bezog sich dabei auf Unternehmenskreise und erklärte, die betroffenen Manager seien bereits informiert worden.

Weist alle Anschuldigungen zurück: Ex-Siemens-Chef von Pierer
DDP
Weist alle Anschuldigungen zurück: Ex-Siemens-Chef von Pierer
Pierer und weiteren ehemaligen Topmanagern steht laut dem Bericht Aktienvermögen zu, das vor einigen Jahren vertraglich vereinbart wurde und eingelöst werden könnte. Dabei soll es jeweils um mehrere hunderttausend Euro gehen, die das Aufsichtsratpräsidium laut der Zeitung nun mit Schadenersatzforderungen gegen die früheren Manager verrechnen will.

Von Pierers Anwalt, Winfried Seibert, sagte, man nehme derzeit nicht Stellung. Siemens erklärte, man wolle den Stand der Gespräche mit Ex-Vorständen nicht kommentieren. Das Unternehmen fordert von elf früheren Zentralvorständen Schadenersatz und wirft ihnen Pflichtverletzung vor. Für Siemens summieren sich die Gesamtkosten des Korruptionsskandals mit erwarteten und bereits verhängten Strafen, Beraterkosten und Steuernachzahlungen bisher auf 2,9 Milliarden Euro.

Im kürzlich erschienen Siemens-Geschäftsbericht 2008 heißt es, das Aufsichtsratpräsidium habe am 12. November beschlossen, bei für 2008 festgestellten Nachzahlungsansprüchen der Ex-Vorstände Rudi Lamprecht, Uriel Sharef und Klaus Wucherer angesichts von Schadenersatzansprüchen "ein Zurückbehaltungsrecht" geltend zu machen. Von Pierer ist dabei aber nicht erwähnt. Laut dem Bericht fällte das Aufsichtsratpräsidium die Entscheidung über das Einfrieren seiner Aktienoptionen erst Ende November.

manager-magazin.de mit Material von ap

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