Montag, 25. März 2019

Headhunter Beichtgespräch beim Berater

Tritt man beruflich auf der Stelle, kann eine Initiativbewerbung zum Sprungbrett werden - solange der aktuelle Chef nichts davon erfährt. Im Interview erklärt Karriereexperte Steffen Westermann, wann sich Eigeninitiative lohnt und warum seriöse Personalberater offene Worte schätzen.

Frage: Auf was sollte man achten, bevor man seine Bewerbung einem Personalberater schickt?

Steffen Westermann vom Büro für Berufsstrategie Hesse/ Schrader: "Die Wechselgründe offen nennen"
Westermann: Der derzeitige Arbeitgeber darf auf keinen Fall mitbekommen, dass sein Arbeitnehmer sich bewirbt. Man sollte tunlichst vermeiden, Kollegen von den Wechselabsichten zu erzählen. Zudem muss man auch bei der Wahl der Personaldienstleister aufpassen: Sie behandeln eine Bewerbung fast immer vertraulich - aber es gibt auch schwarze Schafe, die etwas laxer mit den Informationen umgehen, so dass es zum Arbeitgeber durchsickern kann.

Frage: Wie kann man denn ausschließen, dass man an so ein schwarzes Schaf gerät?

Westermann: Ganz auszuschließen ist das nie. Es hilft, sich auf den Webseiten der Personalberater die Referenzen anzusehen. Ein Gütesiegel sind die Dachverbände, zum Beispiel der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater oder die Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater. Wichtig sind auch die Kontaktdaten: Da sollte nicht nur info@irgendwas stehen, sondern ein persönlicher Kontakt und im besten Fall auch ein kurzer Lebenslauf des Vermittlers angeboten werden.

Frage: Wenn ich einen beruflichen Wechsel plane - welche Mindestvoraussetzungen muss ich erfüllen, um mich an einen Personalberater zu wenden?

Westermann: In eher konventionellen Branchen wie Banken, Versicherungen und Handel sollte man mindestens fünf Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, möglichst in einem statt mehreren Unternehmen. Denn häufige Wechsel interpretiert der Personalberater hier als Unstetigkeit, zu wenig Ausdauer, eventuell schwierige Persönlichkeit, nicht teamfähig, niedrige Frustrationstoleranz - als alles in allem keine überzeugende Leistungsmotivation. In der Werbung wird es dagegen eher positiv gesehen, wenn der Kandidat sich die ersten Sporen nicht nur in einer Agentur verdient hat. Dort werden Wechsel als Zeichen von Dynamik und Interesse an verschiedenen Agenturkonzepten gesehen.

Frage: In welcher Situation ist es sinnvoll, bei einem Personalberater anzuklopfen?

Westermann: Wenn man sich in seinem Unternehmen, in seiner Abteilung wie in einer Sackgasse fühlt. Dann ist der Personalberater ein guter Weg, in ein anderes Umfeld zu kommen. Es kommt ja sehr häufig vor, dass Absolventen in einem kleineren Unternehmen ins Berufsleben starten. Da können die Entwicklungsmöglichkeiten schnell ausgeschöpft sein. Für viele spielt auch die interne Weiterbildung eine große Rolle: Die kann später vor Arbeitslosigkeit schützen, wird aber oft nur von größeren Unternehmen angeboten. Auch deshalb kann ein Wechsel Sinn ergeben.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung