Freitag, 22. Februar 2019

manager-lounge Einsam in der Chefetage

Die Luft an der Spitze eines Unternehmens ist dünn. Mitarbeiter begegnen ihren Vorgesetzten besonders im Topmanagement oft mit einer gewissen Distanz. Die Mitglieder der manager-lounge berichten von ihrem Umgang mit diesem Problem und geben Tipps, wie die gefürchtete Einsamkeit in der Vorstandsetage vermieden werden kann.

Hamburg - Mit zunehmender Macht der Chefs in einem Unternehmen wächst oft auch das Misstrauen der Belegschaft gegen "die da oben". Das Feierabendbier trinkt man dann lieber ohne seinen Vorgesetzten. Ist das die Kehrseite der Karriere, und wie gehen betroffene Topmanager am besten damit um? Die Antwort der Mitglieder der manager-lounge ist eindeutig: In einer Umfrage sagte die Mehrheit, dass Führungskräfte mögliche Einsamkeit am besten außerhalb des Jobs, im Freundes- und Familienkreis kompensieren können.

Umfrage: Die Einsamkeit der Chefetage: Wie sollten Manager sich verhalten?
Antwort Ergebnis Stimmen
in %
Das ist ein Problem, diese Einsamkeit kann man oft beobachten. Abhilfe kann man da aber nur schwer schaffen. 6,5
Ja, das gibt es. Doch seinen Ausgleich sollte jeder außerhalb des Jobs, im Freundes- und Familienkreis, finden. 52,2
Um solche Einsamkeit zu verhindern, sollte man Personen ins Unternehmen holen, die einem persönlich nahestehen. 3,3
So ein Zustand sollte eine Führungskraft nicht weiter stören, eine solche Position bringt Einsamkeit naturgemäß mit sich. 21,7
Eine Chef-Einsamkeit wie beschrieben habe ich bisher noch nicht beobachtet beziehungsweise selbst erlebt. 16,3
Stand: 05.12.2008

Knapp ein Viertel war zudem der Meinung, dass ein solcher Zustand eine Führungskraft nicht weiter stören sollte - eine Position im Topmanagement bringe eine solche Einsamkeit naturgemäß mit sich. 16 Prozent der manager-lounge-Mitglieder haben Einsamkeit auf der Chefetage bisher noch nicht beobachtet beziehungsweise selbst erlebt.

Anderer Blickwinkel:
Distanz zu den Mitarbeitern
Für den Kommunikationsexperten Michael Kausch ist die beschriebene Einsamkeit nicht nur ein Problem, sondern zugleich eine Chance: "Nur wer sich weit genug zurücknehmen kann aus der Tagesdebatte, wird strategisch richtige Entscheidungen treffen. Freilich braucht man immer auch Rückkopplung - oder nennen Sie es Bodenhaftung", so Kausch.

Für Stefan Erberich von Steria Mummert Consulting gibt es zwei Seiten der Medaille: "Die eine ist zweifellos, dass sich die Mitarbeiter gerne auch ohne die Obrigkeit austauschen möchten. Es gibt aber auch Führungskräfte, die überall Heckenschützen und Stuhlsäger vermuten. So werden zum Eigenschutz Distanzen und Hindernisse aufgebaut - dieses Phänomen ist vermutlich weitaus verbreiteter als das erste." Eine gute Führungskraft könne jedoch den Spagat meistern, der nötig sei, um den Mitarbeitern Vertrauen und Respekt entgegenzubringen, so Erberich. "Wichtig ist es, dass diese sich wohlfühlen und auch gerne mal zwischen der Tür mit dem Vorgesetzen reden, auf der anderen Seite aber Distanz wahren können, um nicht in die Ecke der Parteilichkeit und Befangenheit geschoben zu werden."

Thomas Heßling vom Unternehmen Account Executive verweist auf einen Führungsansatz von Hoshin Kanri: "Dieser stellt einen wesentlich umfassenderen Ansatz als der traditionelle und in unseren Kreisen eher bekannte Management-by-Objectives-Ansatz dar. Der Letztere fokussiert eher auf Führungskraft-Mitarbeiter-Beziehung, ist kurzfristig und ergebnisorientiert. Der Hoshin-Ansatz hat hingegen eine visionäre Ausrichtung des Unternehmens, einen ganzheitlichen Ansatz aller Führungs- und Mitarbeiterebenen." Erst wenn diese Elemente gelebt werden, lasse sich laut Heßling dauerhaft sicherstellen, dass sich weder die Chefetage noch die Basis zu weit voneinander entfernen - und man doch noch ab und an bei einem kühlen Bier zueinander findet.

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