Freitag, 17. August 2018

Hugo Boss Unterharnscheidt neuer Finanzchef

Norbert Unterharnscheidt wird mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand von Hugo Boss. Der Manager folgt auf Joachim Reinhardt, der den Modekonzern bereits Ende Juli verlassen hatte. Zuletzt war Unterharnscheidt Finanzchef beim Sanitätskonzern Paul Hartmann.

Metzingen - Der vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Modekonzern Hugo Boss hat einen neuen Finanzvorstand. Norbert Unterharnscheidt werde mit sofortiger Wirkung das Finanzressort übernehmen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Metzingen mit. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen.

Veränderungen im Vorstand: Hugo-Boss-Zentrale in Metzingen
Unterharnscheidt wird Nachfolger von Joachim Reinhardt, der bereits zum 31. Juli 2008 Hugo Boss Börsen-Chart zeigen verlassen hatte. Zwischenzeitlich hatte Mark Langer den Finanzbereich übernommen. Langer ist Finanzkontrolleur und arbeitet seit 2003 für Hugo Boss. Unterharnscheidt war bis ende März Finanzvorstand und Arbeitsdirektor der Paul Hartmann AG. Zuvor hatte der Manager zwischen 1997 und 2005 bei Voith gearbeitet, zuletzt als Leiter Corporate Finance. Seine Karriere hatte Unterharnscheidt 1987 bei der Rothenberger Werkzeuge Aktiengesellschaft begonnen.

Mit der Einstellung von Unterharnscheidt hat eine lange Serie von Neubesetzungen beim Metzinger Modekonzern ihr vorläufiges Ende gefunden. Erst Ende September hatten US-Chef Tony Lucia und der für das operative Geschäft zuständige COO Bill Scott das Unternehmen verlassen. Im Februar nahm Vorstandschef Bruno Sälzer nach Differenzen mit dem Finanzinvestor Permira seinen Hut. Außerdem verließen Produktionsvorstand Werner Lackas und Aufsichtsratschef Giuseppe Vita das Unternehmen. Permira hält rund 90 Prozent an Hugo Boss.

Seit Permira im vergangenen Jahr erst die Boss-Mutter Valention-Fashion Group und dann Hugo Boss selbst übernommen hat, rumort es in dem Unternehmen. Die Turbulenzen in dem Metzinger Modehaus waren offen zutage getreten, als sich der Aufsichtsrat zunächst nicht über die Ausschüttungspolitik für das Jahr 2007 einigen konnte.

In einer Sondersitzung des Gremiums wurden auf Druck des Investors eine kräftige Erhöhung der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr und eine Sonderausschüttung vereinbart. Es hagelte Kritik von Betriebsrat und Kleinaktionären. Auch Ex-Chef Sälzer hatte sich gegen diesen Schritt gewandt. Permira hält rund 90 Prozent an Hugo Boss.

Unterharnscheidt übernimmt seine Aufgabe in stürmischen Zeiten. Hugo Boss muss eine hohe Verschuldung und eine expansive Vertriebsstrategie stemmen. Seit Mitte August führt der frühere Dior-Manager Claus-Dietrich Lahrs den Modekonzern, der auf Drängen von Permira die Umsätze in Amerika und Asien steigern soll. Der Finanzinvestor will den Modekonzern zum weltweiten Marktführer für gehobene Damen- und Herrenbekleidung machen, um in vier bis fünf Jahren mit Gewinn wieder aussteigen zu können.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise macht Hugo Boss jedoch zu schaffen. Der mit Herrenmode groß gewordene Konzern erwartet für das laufende Jahr trotz höherer Umsätze einen Gewinnrückgang. Auch 2009 werde für die Luxusbranche zu einem schlechten Jahr werden, warnte der Vorstand. Deshalb schiebt Hugo Boss erst einmal den Bau eines neuen Warenlagers in der Nähe des schwäbischen Firmensitzes auf, wofür ein zweistelliger Millionenbetrag veranschlagt war.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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