Freitag, 16. November 2018

Business in Dubai Sitzfleisch und der böse Blick

4. Teil: "Das ist ein riesiger Basar"

mm.de: Was konkret haben Sie gemacht, wenn Sie hingehalten wurden?

Fischer: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es die Geschäftspartner gewöhnt sind, immer das Günstigste einzukaufen. "Dubai" heißt ja nicht umsonst übersetzt "Treffpunkt", das hier ist ein riesiger Basar. Manchmal ist es schwer zu vermitteln, dass ein deutscher Architekt mehr kostet als ein indischer oder pakistanischer Kollege. Das ist ein langer Prozess, dafür brauchen wir immer wieder Zeit und gute Argumente.

mm.de: Hilft eher Überzeugungsarbeit oder viel Geduld?

Fischer: Auf jeden Fall Überzeugungsarbeit. Die meisten Geschäftspartner, mit denen ich hier zusammenarbeite, sind extrem gebildete Leute und professionelle Geschäftspartner. Sie wollen einfach verstehen, was mit ihrem Geld passiert – das ist ja in Deutschland nicht anders.

mm.de: Geht alles schneller in Dubai?

Fischer: Nicht unbedingt schneller, aber anders. Projekte werden hier nicht von A bis Z durchgeplant. Stattdessen werden die Planungsphasen in der praktischen Arbeit zumeist parallel abgearbeitet. Als der Auftrag vergeben war, hieß es: "Ein Grube brauchen wir doch auf jeden Fall. Damit könnten Sie schon mal anfangen." In Deutschland wäre das undenkbar.

mm.de: Gefällt Ihnen das?

Fischer: Diese Arbeitsweise ist sehr effizient, außerdem flexibel, weil man während des Prozesses das Projekt den Bedürfnissen anpassen kann. Mir macht das hier riesigen Spaß. Die Behörden sind wahnsinnig schnell, wenn man einen Antrag stellt, muss der nach zehn Tagen beschieden sein. Als ich hier angefangen habe, wurde mir von der Behörde ein Projektleiter vorgestellt, der mir seine Visitenkarte gegeben und gesagt hat: "Sie können mich sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag anrufen, ich bin immer für Sie da." Das ist ein Dienstleistungsgedanke, wie ich ihn in Deutschland nicht kenne.

mm.de: Wie haben Sie Ihren lokalen Partner gefunden?

Fischer: Wir haben uns einige angeguckt, die in Frage kamen. Bedingung war, dass die Qualität stimmt und der Kontakt zu lokalen Firmen. Nach der ersten Durchsicht kamen sechs Kandidaten in die engere Wahl, die haben wir besucht und erste Gespräche geführt. Irgendwann blieben noch zwei übrig und einer davon ist es dann geworden.

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