Samstag, 19. August 2017

Rürup beim AWD Maschmeyers "Edel-Strucki"

Sein Lebenswerk AWD hat Carsten Maschmeyer verkauft. Zum Co-Chef des Strukturvertriebs degradiert, liebt er gleichwohl den großen Auftritt. Große Namen gehören dazu - jetzt holt er den renommierten Wirtschaftsweisen Bert Rürup ins Haus. Insider schütteln den Kopf: Vor allem in Sorge um Rürup.

Hamburg - Carsten Maschmeyer mag es groß: große Auftritte, große Worte, große Werbekampagnen, vor allem große Namen. Und wenn der AWD-Gründer einlädt, kommen sie alle, die VIPs aus Politik, Wirtschaft und Showbiz - sei es zum überschaubaren Tête-à-tête in Maschmeyers Villa, zur Jubiläumsfeier mit 10.000 Gästen oder zur ebenso üppigen Mitarbeiter-Motivationssause: Kofi Annan, Gerhard Schröder, Bill Clinton, Klaus-Peter Müller, Thomas Gottschalk, Henry Maske … Deutschlands erster Policenverkäufer sonnt sich gern im Glanz der Prominenten. Einer wird künftig öfter an seiner Seite zu sehen sein: Bert Rürup.

Gern im Kreis der Großen: AWD-Gründer Karsten Maschmeyer (l.) feierte im Juli dieses Jahres das 20-jährige Bestehen seines zu diesem Zeitpunkt bereits an die Swiss Life verkauften Finanzsturkturvertriebes auch mit handverlesenen Gästen in seiner Hannoveraner Villa. Auf der Terrasse plauscht Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) mit dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan und dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Der Regierungsberater und ausgewiesene Rentenexperte heuert im Frühjahr nächsten Jahres bei AWD an.
DPA
Gern im Kreis der Großen: AWD-Gründer Karsten Maschmeyer (l.) feierte im Juli dieses Jahres das 20-jährige Bestehen seines zu diesem Zeitpunkt bereits an die Swiss Life verkauften Finanzsturkturvertriebes auch mit handverlesenen Gästen in seiner Hannoveraner Villa. Auf der Terrasse plauscht Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) mit dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan und dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Der Regierungsberater und ausgewiesene Rentenexperte heuert im Frühjahr nächsten Jahres bei AWD an.
Der Wirtschaftsweise, Regierungsberater und Hochschulprofessor hat einen Dreijahresvertrag bei dem Finanzvertrieb in Hannover unterschrieben. "Chefökonom" soll er werden, zudem bei der Entwicklung neuer Produkte und der Erschließung neuer Märkte wie Russland und China helfen. Seine Position als Vorsitzender des Sachverständigenrates wird Rürup bereits im Februar aufgeben - ein Jahr vor dem offiziellen Ende seiner Berufungszeit. Den Job als Hochschullehrer hängt er im Frühjahr an den Nagel, im April dann wird der "Rentenpapst" für den AWD tätig sein.

Rürup hat durch seine langjährige Beratertätigkeit in der Politik - zunächst als Mitglied der Rentenreformkommission des ehemaligen Bundesarbeitsministers Walter Riester und später als Chef der 26-köpfigen "Rürup-Kommission" - maßgeblich die steuerlich geförderte, private Altersvorsorge in Deutschland auf den Weg gebracht. Dass ein derart honoriger Kopf zu einem Strukturvertrieb wechselt, der unter Insidern einen nicht ganz so honorigen Ruf geniest, löst in der Branche Kopfschütteln aus.

"Maschmeyer ist damit ein öffentlichkeitwirksamer Schachzug gelungen. Aber warum sich eine Persönlichkeit wie Rürup vor diesen Karren spannen lässt, verstehe ich nicht", sagt ein Insider. Schließlich habe der Mann eine ausgezeichnete Reputation zu verlieren. "Ein Wirtschaftsweiser wird Edel-Strucki. Der AWD hat's ja nötig", giftet ein anderer. Diese Branche ist gnadenlos.

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