Donnerstag, 22. Februar 2018

Multitasking Viel hilft nicht viel

Telefonieren, Mails beantworten, Meetings vorbereiten, Projekte anschieben - heute ist es üblich, im Job viele Aufgaben parallel zu erledigen. Inzwischen ist allerdings erwiesen, dass Multitasking ineffizient ist. Wenige Tricks helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mehr zu leisten.

Bonn/Wuppertal - Mitten im Telefongespräch mit einem Kunden steckt ein Kollege seinen Kopf zur Tür herein und möchte eine Mitteilung loswerden. Zeitgleich zeigt der Computer eine neue E-Mail an - Priorität hoch. "Oft versuchen wir in dieser Situation, alle Sachen auf einmal zu erledigen und glauben sogar, dadurch Zeit zu sparen", sagt Susanne Roth, Expertin für Arbeitsorganisation aus Bonn und Herausgeberin des Praxishandbuchs "Einfach organisiert!". Dies sei jedoch ein Irrtum. Denn bei komplexeren Tätigkeiten führe ein solches Multitasking eher zu Zeitverlusten, Fehlern und Stress.

"Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass man eine höhere Fehlerquote hat und mehr Zeit benötigt, wenn man verschiedene Aufgaben gleichzeitig statt hintereinander bewältigen möchte", sagt Roth. So entgeht einem vielleicht eine wichtige Information des Kunden am Telefon, während man versucht, dem Kollegen zuzuhören.

Der Begriff Multitasking kommt ursprünglich aus dem Computer-Bereich und beschreibt die Fähigkeit eines Betriebssystems, mehrere Aufgaben gleichzeitig auszuführen. Das menschliche Gehirn hingegen ist nur bei der Kombination bestimmter Aktionen multitasking-fähig.

"Einfache Informationen können gleichzeitig wahrgenommen werden", erklärt Torsten Schubert, Neurowissenschaftler an der Ludwig-Maximilian-Universität München. "Entscheidungen können hingegen nicht gleichzeitig gefällt werden." So fällt es leicht zu telefonieren und nebenher Gegenstände über die Augen wahrzunehmen. Auch Sprechen und Routinetätigkeiten wie Abwaschen gehen gleichzeitig.

"Sitzt man jedoch im Auto und überlegt, ob man nach links oder rechts abbiegen muss, und soll gleichzeitig über ein Fußballspiel diskutieren, geht das nicht", sagt Schubert. Das Nachdenken über das Fußballspiel wird für einen kurzen Moment gestoppt und die Richtungs-Entscheidung zuerst bearbeitet.

Das Gehirn schaltet zwischen den verschiedenen Aufgaben hin und her. "Wer die Wahl hat, sollte ständige Unterbrechungen am Arbeitsplatz vermeiden", sagt der habilitierte Akademiker Schubert und empfiehlt, die Tätigkeiten nacheinander abzuarbeiten. "Die Pop-Ups auf dem Bildschirm kann man ausschalten und dem Kollegen ruhig sagen, dass man belegt ist", rät auch Friedhelm Nachreiner, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Oldenburg.

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