Samstag, 20. Oktober 2018

Business in Arabien Salam, Merhaba und der Bruderkuss

Wer in Arabien erfolgreich Geschäfte machen will, sollte wissen, wen er wie begrüßen muss, welchen Status der Geschäftspartner hat und zu welchem Clan er gehört. Vor allem in den Golfstaaten ist es wichtig, Rituale und Regeln zu kennen. Denn manche Fehler können fatale Folgen haben.

Sie landen in Beirut, in Kairo oder in Riad, haben Ihren Besuch rechtzeitig angekündigt und erfahren, dass Sie am Flughafen von einer kleinen Delegation abgeholt werden. Das Komitee, das Sie in der Ankunftshalle erwartet, wird nicht viel anders aussehen als Ihre Partner in New York, gleich ob es sich um Christen handelt, die heute weniger als 40 Prozent der Bevölkerung stellen und dem Libanon seine spezifische Identität verliehen haben, oder um sunnitische, schiitische oder drusische Geschäftsleute.

Bei modernen Libanesen werden Sie kaum mit ungewohnten Begrüßungszeremonien zu rechnen haben. Das Merhaba ("guten Tag") ist nicht nur leicht zu merken, sondern kommt bei Christen auch besser an, als der islamische Gruß Salam aleikum ("Friede sei mit dir"). Händeschütteln ist zwischen Mann und Frau üblich. Eine Christin von einer Muslima zu unterscheiden, ist jedoch nicht einfach, denn auch Muslimas kleiden sich hier (wie auch in anderen arabischen Großstädten) gerne im westlichen Stil.

Christliche Namen wie Maria und Josef helfen weiter. Doch häufig fällt bei der Begrüßung die Namensnennung weg, sodass eine abwartende Haltung empfehlenswert ist. Reicht die muslimische Frau die Hand nicht zum Gruß, dann genügt ein Merhaba. Die Europäerin wartet so lange, bis der muslimische Partner die Hand zum Gruß reicht. Unterlässt er dies, so ist er seiner Tradition verpflichtet; mit Respektlosigkeit hat das nichts zu tun.

Bei sunnitischen oder schiitischen Delegationen wird derjenige zuerst begrüßt, der die höchste Position innehat (Männer immer zuerst, danach die Frauen). Salam aleikum ("Friede mit euch") und die Antwort wa aleikum as-Salam ("Frieden auch mit euch") ist die gebräuchlichste islamische Grußformel, die auch von Nicht-Muslimen verwendet wird. Manche streng islamisch orientierten Araber beanspruchen sie aber exklusiv für ihre eigene Religionszugehörigkeit; dann ist das neutrale Merhaba angebracht.

Warum die namentliche Vorstellung bei der Begrüßung unwichtig ist

Im Unterschied zu europäischen individualistischen Gesellschaften zählt in kollektivistischen Gesellschaften wie der arabischen, die Familie, der Clan, mehr als das Individuum. Wichtig ist deshalb der Name des Clans, nicht der persönliche Name. Bei beduinischen Gesellschaften handelt es sich um überschaubare Einheiten, deren Mitglieder sich im Allgemeinen kennen. Trifft man auf eine unbekannte Gruppe, interessiert der übergeordnete Zusammenhang, aus welcher Region die Gruppe stammt und welchem Clan sie angehören. Mit persönlichem Namen macht man sich oft erst später bekannt.


Sylvia Ortlieb: Business-Knigge für den Orient; Bildung und Wissen Verlag, September 2006, 200 Seiten, 19,80 Euro.
Begrüßen sich zwei Araber, tauschen sie dabei eine lange Reihe standardisierter Grußformeln aus, in denen in raschem Tempo das Wohlbefinden der Familienangehörigen abgefragt und gegenseitige Segenswünsche ausgesprochen werden. Fragen nach der Gesundheit und nach der Familie sind im arabischen Raum ritualisiert und gelten als eine Art Respektbezeugung.

Tiefer gehende und vor allem problematisierende Antworten werden jedoch nicht erwartet, im Gegenteil – sie sind sogar unerwünscht. Lassen Sie sich durch solche Fragen nicht dazu verleiten, über Ihre Migräne oder den Jobverlust des Bruders bei der Begrüßung zu diskutieren. Al-hamdu l’illah ("Gott sei Dank") ist die Standardformel, mit der man nichts falsch machen kann. Erst sehr viel später, wenn eine vertrauensvolle Beziehung hergestellt ist, können auch persönliche Sorgen besprochen werden; in einer Geschäftsbeziehung wird dies aber eher selten sein.

Zeigen Sie Interesse an Ihrem arabischen Partner, und stellen Sie die gleichen Fragen nach Gesundheit und dem Wohlbefinden der Familie, fragen Sie aber niemals direkt nach Ehefrau oder Töchtern, und überreichen Sie Geschenke immer dem Herrn des Hauses, dann kann Ihnen kein zweifelhaftes Ansinnen unterstellt werden.

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