Sonntag, 9. Dezember 2018

Coaching Falsche Freunde, wahre Helfer

Viele Manager, die einen Coach suchen, landen am Ende bei einem Trainer oder Karriereberater. Der aber ist selten in der Lage, angemessen auf seinen Klienten einzugehen. manager-magazin.de sagt, welche Unterschiede es zwischen Coaching, Training und Karriereberatung gibt und was ein guter Coach können muss.

Osnabrück/München - Zwischen Coaching, Training und Karriereberatung eine Grenze zu ziehen, ist nicht ganz einfach. So mancher Trainer bietet auch "Coachings" an, manche Beratung ist ein Training, und oft werden die Bezeichnungen gleichbedeutend verwendet.

Unterschiede: Im Training wird gemeinsam gelernt - Coachings finden eher unter vier Augen statt und zielen auf langfristige Veränderungen
Das stiftet Verwirrung und macht die Auswahl des passenden Angebotes schwierig. Wer sich nicht informiert, welche Hilfe er tatsächlich braucht und wo es sie gibt, findet nur mit Glück das Richtige. Denn Beratungsangebote zu Jobs gibt es viele. Und die Bezeichnungen sind nicht geschützt: Berater, Coach oder Trainer darf sich jeder nennen.

"Der Markt ist nicht sehr transparent", räumt der Karriereberater Martin Wehrle aus Jork ein. "Ratsuchende geraten leicht an den Falschen." Mit unschönen Folgen: "Wenn man Brötchen haben will, möchte man schließlich keine Autoreifen geliefert bekommen", sagt Christopher Rauen vom Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) in Osnabrück. Und genau das könne passieren, wenn jemand fälschlicherweise eine Leistung bei einem Trainer einkauft statt bei einem Coach, beziehungsweise umgekehrt.

Der Begriff Coach stammt aus dem Sport. "In den 50er Jahren ist er in den USA aus Baseball und Football erstmals ins Management übernommen worden", erklärt Rauen. "Der Manager sollte zum Coach des Mitarbeiters werden." In den 70er Jahren ist diese Idee dann auch in Deutschland angekommen. Mit der Zeit habe sich das Verständnis aber nochmals gewandelt: "Seit Mitte der 80er Jahre ist der Coach ein externer Berater." Zunächst habe es Coachings vor allem für Topführungskräfte gegeben. Das sei inzwischen aber nicht mehr so.

Die Branche ist kaum überschaubar: Rund 70.000 bis 80.000 Berater gibt es bundesweit, schätzt Rauen. "Rund 35.000 bezeichnen sich als Coaches. Im engeren Sinn gibt es aber nur um die 5000." Coaching boome seit mehreren Jahren, sagt Rauen, "viele Trainer nennen sich nun einfach Coach." Und was eigentlich Verkaufstraining sei, werde zum "Sales-Coaching" aufgemotzt. Das sei jedoch Etikettenschwindel.

Die Unterschiede zwischen den Methoden sind auch Martin Wehrle wichtig, der für sich in Anspruch nimmt, die "erste Ausbildung für Karriereberater im deutschsprachigen Raum" konzipiert zu haben: "Ein Coach wendet sich in erster Linie an Führungskräfte", sagt er. "Klassische Coachings werden außerdem von der Firma bezahlt, Karriereberatung bezahlt der Betreffende selbst."

Coachings sind in der Regel zeitaufwendiger und komplexer. "Bei der Karriereberatung gibt es oft nur einen einzigen Termin", sagt Wehrle. Die Klienten sind nach seiner Erfahrung häufig Arbeitnehmer oder Bewerber, bei denen etwas schief gelaufen ist. Sie suchen Hilfe für das nächste Vorstellungsgespräch oder die Gehaltsverhandlung.

Die Grenzen sind aber fließend. Bettina Angerer aus Norderstedt zum Beispiel arbeitet vorwiegend als Trainerin, hat aber auch eine Ausbildung in "systemischem Coaching". "Training beinhaltet bei mir immer auch aktive Übungselemente", sagt sie. Der Trainer erkläre und zeige, wie etwas geht und übt es mit den Seminarteilnehmern. "Training findet üblicherweise in der Gruppe statt." Beim Coaching trifft sie sich mit dem "Coachee" dagegen zu zweit: "Der Coach redet wenig. Coaching lebt vom Fragen." Es gehe hier nicht darum, Tipps zu geben, sondern dem Betreffenden zu helfen, "von einer Problem- zu einer Zielsituation" zu gelangen.

Christine Öttl aus München arbeitet als Coach, hat aber auch lange Erfahrung als Trainerin: "Training ist immer eher eine Schulung. Die Wissensvermittlung steht dabei im Vordergrund", erklärt sie. Coaching funktioniere dagegen im Dialog, durch den der "Coachee" lernt, seine eigene Situation besser zu verstehen. Auch er weiß hinterher mehr - über sich selbst. Die Zusammenarbeit sei oft sehr persönlich.

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