Samstag, 20. Oktober 2018

Malaysia-Knigge "Wer die Kontrolle verliert, hat verloren"

Manager in Malaysia müssen Allrounder sein: Angestellte wollen betreut, Partner hofiert und Probleme gelöst werden. Mit dem Unternehmensberater Volker Friedrich sprach manager-magazin.de über sinnlose Businesspläne, den Vorteil grauer Haare, lange Nächte in Karaoke-Bars und die charmanten Seiten des Landes.

mm.de: Welche Abschlüsse sind in Malaysia besonders gefragt?

Friedrich: Ingenieure fehlen an allen Ecken und Enden, sowohl bei deutschen, internationalen oder malaysischen Unternehmen.

Volker Friedrich sammelte zehn Jahre Berufserfahrung im Industrie- und Anlagengeschäft, bevor er als Senior Consultant zu Roland Berger wechselte. Seit zwölf Jahren ist der Diplom-Kaufmann als Gründer und CEO der GBP International Gruppe in Asien tätig. Das Unternehmen plant und organisiert den Aufbau von Geschäftseinheiten und Joint Ventures in Asien.
mm.de: Genießen Ingenieure aus Deutschland einen guten Ruf?

Friedrich: Ja, deutsche Ingenieurskunst und das Label "Made in Germany" haben einen hohen Stellenwert. Das allerdings mit abnehmender Tendenz. Die Japaner bauen auch gute Autos, die kosten aber nur 60 bis 70 Prozent des Preises einer vergleichbaren Karosse aus Deutschland. Deutsche Produkte haben es in Malaysia immer schwerer, sich gegenüber der internationalen Konkurrenz durchzusetzen.

mm.de: Bezieht sich das nur auf die Automobilbranche?

Friedrich: Nein, diese Tendenz sehe ich branchenübergreifend. So haben deutsche Maschinen und Anlagen einen hervorragenden Ruf, die halten 20 Jahre oder länger. Trotzdem kauft der gemeine malaysische Unternehmer seine Maschine lieber in Taiwan, da kostet sie nur die Hälfte. Da die Maschine aber eh nach fünf Jahren abgeschrieben ist, und es eine neue gibt, rechnet sich die deutsche Maschine aus seiner Sicht nicht immer.

mm.de: Verhält es sich mit deutschen Managern so wie mit deutschen Autos und Maschinen - gefragt, aber leider zu teuer?

Friedrich: Das kommt darauf an. Wenn sie einen Interimsmanager oder Berater extern anheuern, dann muss man natürlich die europäischen Tagessätze zahlen, und das ist nicht eben wenig Geld. Es gibt aber eher nur wenige lokale Unternehmen, die bereit sind, einen deutschen Topmanager anzuheuern und dafür entsprechend tief in die Tasche zu greifen. Die meisten deutschen Spitzenkräfte, die in Malaysia tätig sind, arbeiten für deutsche Unternehmen. Die malaysischen Unternehmen wollen diese hohen Gehälter nicht zahlen. Für einen deutschen Topmanager, der 250.000 Euro im Jahr kostet, bekommt man hier zehn Leute auf dem lokalen Markt. Und ob der Deutsche dann zehn Mal so gut ist, das ist die andere Frage.

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