Dienstag, 23. Oktober 2018

Manager in Malaysia "Kumpelhaft geht gar nicht"

In Malaysia gelten für Führungskräfte andere Regeln: Nicht der smarte Manager hat Erfolg, sondern der friedensstiftende Regent. Mit den beiden Autorinnen Christiane Bier und Judith Kautz sprach manager-magazin.de über Hierarchien und Harmonie, Beziehungen und Betreuung und warum es hilfreich ist, eine große Familie zu haben.

mm.de: Ein potenzieller Geschäftspartner in Malaysia kann malaiischer, indischer oder chinesischer Herkunft sein. Muss man sich auf alle drei Kulturen einstellen?

Christiane Bier ist Bankkauffrau und Diplom-Psychologin. Sie studierte in Bonn, London und Berlin. Ihre Karriere startete sie 2006 bei der Deutschen Post IT Services im Bereich Recruiting und Human Resources Development. Im November wechselt sie in die Konzernzentrale in den Bereich Human Resources Development, Guidelines & Policies.
Bier: Genau das ist die Herausforderung in Malaysia, dass man dort auf einen Chinesen, Inder oder Malaien treffen kann. Oder man trifft auf ein Team, das total gemischt ist. Das haben uns auch viele Deutsche berichtet. Den Malaien ist die Familien- und Beziehungsorientierung sehr wichtig. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Chinesen karriereorientierter und pragmatischer sind. Außerdem haben Statussymbole für die malaysischen Chinesen einen höheren Wert.

mm.de: Wie sollte man sich in diesem Tohuwabohu verhalten? Gibt man sich die Hand, worüber redet man, was sind die Grundregeln?

Kautz: Eine Grundregel ist auf jeden Fall, dass man nicht zu schnell zum Geschäft kommen sollte. Es gab Fälle, so wurde uns berichtet, bei denen es ein halbes Jahr dauerte, bis man begann über konkrete Geschäfte zu sprechen. Vorher hat man sich kennengelernt, über Familie und Hobbys gesprochen. Wichtig ist, dass man erst einmal eine vertrauensvolle Beziehung aufbaut, bevor man zum Geschäftlichen kommt.

mm.de: Ist das nicht unglaublich irritierend für die pragmatischen Deutschen, die am liebsten nach einem Tag die Unterschrift unter den Vertrag setzen würden?

Kautz : Sicher. Aber das müssen deutsche Manager auf jeden Fall vorher wissen, sonst können Geschäfte schnell platzen.

mm.de: Welche Rolle spielt der Islam?

Diplom-Psychologin Judith Kautz studierte in Leipzig und Berlin und arbeitet bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft in Berlin im Bereich Marketing und Produktmanagement. Sie hat gemeinsam mit Christiane Bier das Trainingsprogramm "Beruflich in Malaysia" geschrieben.
Kautz : Der Islam ist in der Verfassung verankert und damit Staatsreligion. Trotzdem ist Malaysia eine stark multikulturelle Gesellschaft mit einer großen Religionstoleranz. Malaien, indisch- und chinesischstämmige Malaysier leben friedlich zusammen. Man sollte sich als deutscher Manager mit allen drei Kulturen beschäftigen und sich entsprechend ihrer kulturellen Wurzeln mit seinen Mitarbeitern auseinandersetzen. So wird etwa der muslimisch geprägte Mitarbeiter während des Arbeitstags seine Gebetszeiten einhalten wollen. Man muss als Chef flexibel reagieren können.

mm.de: Hat der Islam faktischen Einfluss auf das Geschäftsleben?

Kautz: Während des ganzen Ramadan ist das Geschäftsleben ein bisschen weniger aktiv. Moslems dürfen nichts essen, bis die Sonne untergegangen ist. Deswegen kann es schon vorkommen, dass muslimische Geschäftspartner, wenn man Termine am Nachmittag macht, ein bisschen geschwächt und nicht mehr fähig sind, dem Gespräch konzentriert zu folgen. Deswegen sollte man die Termine wenn möglich lieber auf den Vormittag legen.

mm.de: Gilt das auch für höhergestellte Manager oder eher für Angestellte im mittleren und im unteren Segment?

Bier: Das gilt eher für Angestellte. Bei Managern kann es natürlich auch vorkommen, dass sie sich strikt an den Koran halten. Aber diejenigen, die sehr international arbeiten, passen sich zunehmend den internationalen Gepflogenheiten an.

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