Mittwoch, 17. Oktober 2018

Business in Malaysia "Gesicht wahren ist das A und O"

Wer in Malaysia als Manager Erfolg haben will, muss sich um seine Mitarbeiter kümmern wie ein Patriarch. Asien-Experte Christian Schwarz erklärt im Interview mit manager-magazin.de, warum Fürsorge und Loyalität, Beziehungen und Vertrauen in Malaysia so essenziell wichtig sind.

mm.de: Herr Schwarz, was haben Sie gerade gegessen?

Schwarz: Bah kuh teh, das ist Schweinemagensuppe. Der Magen wird kleingehackt, wie Geschnetzeltes, wird dann zusammen mit Pilzen und anderen Zutaten in einer Suppe gekocht und schmeckt wirklich gut.

Christian Schwarz begann seine Karriere 1998 als Rechtsanwalt bei Linde. 2003 wechselte der 40-Jährige zur SGL Group und betreute dort die Bereiche Finanz- und Kapitalmarktrecht sowie M&A-Projekte. Gegenwärtig ist Schwarz als Mitglied der Geschäftsleitung der SGL Carbon Malaysia verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Personal, Recht und IT.
mm.de: Sind Ihnen schon Mahlzeiten begegnet, die Sie irritierend fanden, Augen in Gelee oder gewickelte Gänsefüße etwa?

Schwarz: Bisher nicht. Das Essen in Malaysia ist nicht so ungewöhnlich, wie manche denken mögen. Durian ist etwas gewöhnungsbedürftig, das ist diese stachelige Frucht, die sehr streng riecht wenn sie geöffnet wird, dafür aber sehr gut schmeckt. Aufgrund des starken Geruchs gibt es hier auch ein Durian-Verbot in Hotels und anderen Gebäuden. Ansonsten ist die Küche hier indisch, malaiisch und chinesisch geprägt. Es ist eine sehr multikulturelle Küche. Was mir aufgefallen ist: Die Malaien zerhacken immer alles, auch mit Knochen. Selbst Hühnchen. Das kennen wir filetverwöhnten Deutschen gar nicht.

mm.de: Das Essen ist nicht zu scharf?

Schwarz: Doch, aber das stört nicht. Häufig ist hier der kleine grüne Chili dran, der wesentlich schärfer ist als der Rote. Deswegen bekommt man auch keine Magenverstimmungen. Chili hilft, das können Sie mir glauben.

mm.de: Aber Alkohol gibt’s nicht?

Schwarz: Trotz religiöser Einschränkungen gibt es Alkohol. In fast allen Restaurants wird Bier ausgeschenkt. Allerdings: Bis Ende September war Ramadan, da sind die Restriktionen deutlich zu spüren. Tagsüber essen die muslimisch gläubigen Malaien nichts. Erst wieder ab dem Abend wird gegessen, dann aber umso mehr.

mm.de: Nur privat oder auch öffentlich?

Schwarz: Nein, da werden richtige Feste gefeiert, öffentliche und private. Man lädt sich gegenseitig ein, isst und trinkt und feiert. Das sind richtig große Veranstaltungen. Viele Menschen nehmen im Ramadan sogar zu, obwohl es eigentlich der Fastenmonat ist.

mm.de: Wie erleben Sie Malaysia?

Schwarz: Insgesamt sehr positiv. Ich empfinde das hier als ein sehr offenes und sehr freundliches Land. Es gibt hier extreme kulturelle Unterschiede, man begegnet vielen Chinesen, Indern und den Malaien auch wir Europäer finden hier schnell persönliche Kontakte.

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