Dienstag, 23. Oktober 2018

Business in Australien "Die Chefs wollen gerne Deutsche"

Wer in Australien Geschäfte machen will, sollte seine Chancen nicht leichtfertig verspielen. Mit der Beraterin Petra Gerboth sprach manager-magazin.de über Pragmatismus, Sprachbarrieren, Vorschusslorbeeren und die kleinen Unterschiede, auf die man in Down Under besonders achten sollte.

mm.de: Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation in Australien?

Gerboth: Der australischen Wirtschaft geht es relativ gut, meiner Meinung nach besser als den meisten Volkswirtschaften der westlichen Welt. Dazu hat natürlich größtenteils der anhaltende Rohstoffboom beigetragen.

Petra Gerboth ist Geschäftsführerin der in Sydney und Berlin ansässigen Berlin-Sydney Marketing GmbH sowie von GerMedica. Die 1986 in Berlin gegründete Beratungsfirma unterstützt technologieorientierte kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrem Markteintritt in Australien
mm.de: Wie schätzen Sie die Chancen für Deutsche ein, die in Australien Business machen wollen?

Gerboth: Viele Deutsche vergessen, dass Sie in einem anderen Land Ausländer sind und sich an dessen Gepflogenheiten anpassen müssen. Dies trifft insbesondere auf die Sprache zu. Leider werden die eigenen Sprachfähigkeiten von etlichen Deutschen überschätzt. Das ist ein Manko.

mm.de: Trifft das auf die Greenhorns zu oder auch auf gestandene Manager?

Gerboth: Sowohl als auch. Generell sind Australier sehr tolerant gegenüber Nicht-Muttersprachlern und auch bereit, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Das gilt aber eher für den Privatbereich und für Touristen. Manager und leitende Angestellte sollten dagegen das nötige Business- und Fachenglisch beherrschen. Wenn sie das nicht tun, werden sie häufig nicht ernst genommen.

mm.de: Betrifft dieses Problem nur den Mittelstand oder auch große Konzerne?

Gerboth: Große Konzerne haben meistens Exportmitarbeiter, die perfekt Englisch sprechen. Aber im Mittelstand wird dieses Problem häufig unterschätzt.

mm.de: Verhandeln australische Manager mit ihren deutschen Geschäftspartnern auf Augenhöhe?

Gerboth: Grundsätzlich ist der Ton ein freundlicher. Nach 14 Jahren Geschäftstätigkeit dort empfinde ich den Umgang immer noch als tolerant und grundsätzlich wohlwollend. In Verhandlungen kann man relativ schnell zum Kern der Sache kommen. In Australien ist man eher lösungs- als problemorientiert, daran gewöhnt man sich als Deutscher gern. Es wird nicht lange lamentiert, sondern nach der pragmatischsten Lösung gesucht. Auch zeitraubende Sitzungen sind verpönt.

Man versucht immer, das Beste aus der Situation zu machen. Wenn etwas einmal nicht klappt, ist das kein Drama. Dann versucht man, das nächste Projekt auf die Beine zu stellen. Es gibt auch weniger Schuldzuweisungen als in Deutschland. Man konzentriert sich weniger auf das, was nicht funktioniert, sondern auf das, was einen weiterbringt.

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