Freitag, 16. November 2018

Corporate Speaking Der perfekte Auftritt

Der Auftritt von Führungskräften kann überzeugen, aber auch in einer Kommunikationskatastrophe enden. Berater können helfen: Text, Kleidung, Haltung und Umgebung sollten gut durchdacht sein - der Auftritt darf aber auch nicht zu glatt geraten.

Frankfurt am Main - Lee Iacocca, langjähriger Chrysler-Vorstandschef und Managerlegende der internationalen Wirtschaftsgeschichte steht für ein unschlagbares Selbstbewusstsein in der CEO-Kommunikation: "Ich redete den ganzen Tag. Und wie bei allem Übrigen: Wenn man es nur häufig genug macht, hat man es schließlich drauf." Erfahrene Kommunikationschefs sehen das ganz anders: "Der Auftritt des Managements ist das Unsicherste überhaupt, der Vorstand selbst ein kommunikatives Risiko."

Ein Vorbild für Manager:
Perfekt inszeniertes "Corporate Speaking" bei US-Politiker Barack Obama
Mit diesem Zitat aus dem Standardwerk "Corporate Speaking" begrüßte Jürgen Siegemund, Präsident der manager-lounge Frankfurt, seine Gäste. Diese kritische Aussage wird in der internen Unternehmenskommunikation ebenso häufig getroffen wie in der externen.

Fakt ist: Ein gelungener Vorstandsauftritt im Zeitalter des professionellen wie auch perfekten Produkt-, Werbe- und Mediendesigns ist selten. War er aber erfolgreich, dann war es ein perfekt inszeniertes, ein - in der Regel - einstudiertes "Corporate Speaking".

Zu diesem Thema referierte Stefan Wachtel in der Villa Merton. Der erfahrene Senior-Coach von Expert Executive, einem Trainingsinstitut für CEO-Kommunikation, reagierte auf den im Coaching häufig geäußerten Wunsch, authentisch bleiben zu wollen, mit den Worten: "Mal schauen, was draus wird", lächelt und lässt diese Aussage wirken. Am Ende des Auftrittstrainings steht nämlich die Aussage "Authentisch sind wir in der Regel ungenießbar". Zielvorgabe für Wachtels Klienten ist daher, zu jeder Zeit und aus jeder denkbaren Perspektive glaubwürdig und authentisch zu scheinen.

"Jeder zweite Auftritt ist schlecht"

Fachlich qualifizierte, weitgehend integere Manager sind per se keine Garanten für erfolgreiche Unternehmenskommunikation. Überzeugende Produktqualität, ökonomischer Erfolg und das gepflegte Image eines Unternehmens wollen insbesondere der breiten Mediengemeinde perfekt präsentiert sein. Das Erscheinen und Sprechen von Vorständen bei Mitarbeitervollversammlungen, auf halböffentlichen Dinner-Talk-Partys oder vor laufenden Kameras ist kein kommunikativer Selbstgänger.

Um ökonomisch messbare Kommunikationsdesaster handelt es sich sogar, wenn zum Beispiel die Krisenkommunikation börsennotierter Unternehmen nicht bis weit hinter die Kulissen generalstabsmäßig durchgeplant ist. Die makellose Inszenierung erwartet vor allem das Publikum selbst: anspruchsvolle Kunden und Partner, kritische Anleger und Konsumenten.

"Jeder zweite Auftritt ist schlecht oder hätte nicht stattfinden dürfen", urteilt auch Gunnar Thomé. Der Headhunter und Karriereberater ist mit seiner Beratungsgesellschaft MCR Ansprechpartner für weltweit tätige Unternehmen, wenn sie das mittlere und das Topmanagement besetzen. "Privilegiert aufgewachsen verfügen vier von fünf Topmanagern schon qua Geburt über den entsprechenden Habitus", sagt Thomé. "Kommunikationscoaching bedeutet, eine Limousine, deren Lack ein wenig blind geworden ist, auf Hochglanz zu bringen".

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