Donnerstag, 15. November 2018

Karriere Burn-out - und dann?

Manche Krankheiten halten Betroffene monatelang von der Arbeit ab. Wenn der Bandscheibenvorfall oder die Lungenentzündung auskuriert sind, muss man mitunter beruflich neu anfangen. Wer aber wegen eines Burn-out-Syndroms außer Gefecht war, gerät bei einer Bewerbung zusätzlich in Erklärungsnot.

Berlin - "Der berufliche Wiedereinstieg nach einer persönlichen Krise ist ein Balanceakt", sagt die Karriereberaterin Angelika Gulder. Zum einen sei es wichtig, einem neuen Arbeitgeber gegenüber ehrlich zu sein. Zum anderen müsse man auch damit rechnen, dass einem der Zusammenbruch als Schwäche ausgelegt werde.

Wenn alles unerträglich wird:
Zusammenbruch im Job
Coaching-Fachfrau Regina Michalik, Autorin des Ratgebers "Im Zickzack zum Erfolg", rät Betroffenen, sich nach einem psychischen Zusammenbruch nicht sofort wieder zu überlasten. "Wichtig ist, dass man sich für den Wiedereinstieg ausreichend Zeit lässt. Man kann nicht erwarten, dass man von heute auf morgen wieder voll im Berufsleben steht. Erst einmal muss man die persönlichen Probleme vollständig bearbeiten", sagt Michalik.

Denn ein neuer Job bringe viele Herausforderungen mit sich, die täglich gemeistert werden müssen. "Jemand, der ohnehin noch geschwächt ist, hat damit unter Umständen größere Mühe und droht, gleich zu Beginn wieder zu scheitern", warnt Michalik. Es sei daher wichtig, das eigene Selbstbewusstsein erst einmal zu stärken, bevor man sich wieder bewirbt. "Hat man die Krise bearbeitet und überwunden, sollte man sich darüber klar werden, welche Qualifikationen man vorzuweisen hat, was man erreichen möchte und vor allem welche Bedingungen man braucht, um wieder gut durchstarten zu können", sagt Michalik.

Nach diesen Kriterien sollte man sich seine neue Arbeitsstelle aussuchen. "Es bringt nichts, das erstbeste Angebot anzunehmen, obwohl es nicht richtig passt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dann wieder in eine Krise schliddert, ist hoch", sagt Michalik.

Wer seinen alten Arbeitgeber verlassen und dann eine längere Therapie gemacht hat, muss oft Lücken im Lebenslauf füllen. Gulder rät hier zu Ehrlichkeit. "Man sollte die Pause nicht als 'Phase der Umorientierung' betiteln, wenn man tatsächlich mehrere Monate in einer psychotherapeutischen Einrichtung verbracht hat", sagt die Diplom-Psychologin. Die Angabe "Längere Krankheit" sei in einem tabellarischen Lebenslauf meistens ausreichend.

"Man muss sich dann aber auch darauf einstellen, dass zu so einer Angabe im Vorstellungsgespräch Rückfragen kommen. Deshalb sollte man sich vorher klar sein, wie viel man erzählen möchte", sagt Gulder. Sie rät, die Krisenzeit vor einem neuen Arbeitgeber nicht zu verbergen. "Der Chef muss darüber informiert sein, dass es da mal Probleme gab, um den Arbeitnehmer richtig einschätzen zu können", sagt Gulder. Im Vorstellungsgespräch sollte man daher offen auf Fragen nach der Krankengeschichte antworten.

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