Mittwoch, 19. Dezember 2018

Anlegerlegende Sir John Templeton ist tot

John Templeton, Stammvater der Idee des Investmentfonds und Mitgründer der Fondsgesellschaft Franklin Templeton, ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Als einer von wenigen Protagonisten der Finanzbranche wurde er zum Ritter geschlagen.

Nassau - John Templeton ist 95-jährig am Dienstag an einer Lungenentzündung gestorben. Er galt nicht nur als erfahrener Anleger, sondern auch als Stammvater der Idee des Investmentfonds. In Deutschland ist er als Mitgründer der Fondsgesellschaft Franklin Templeton bekannt.

Templeton: Der Fondsvater starb im Alter von 95 Jahren
Templeton wurde in Tennessee geboren, zog später nach Nassau und wurde naturalisierter britischer Staatsbürger. Er begann seine Karriere an der Wallstreet 1937 und galt seitdem als Pionier auf dem Gebiet der Auswahl einzelner Aktien. Dabei stützte er sich auf das, was er den Punkt des "maximalen Pessimismus" nannte. Später nannte sich dieser Ansatz Value-Strategie - Aktien kaufen, die unterbewertet sind. Damit wurde er auch zu einem der Stammväter der Idee des Investmentfonds, der Aktien bündelt und in einem einzigen Wertpapier handelbar macht.

Er gründete auch die Gesellschaft Templeton Funds. Deren Flaggschiff war der Templeton Growth Fund, der bereits 1954 aufgelegt wurde. 1992 verkaufte der Investmentpionier das Unternehmen nach Firmenangaben für 913 Millionen Dollar - an die Franklin Group. Daraus entstand die Gesellschaft Franklin Templeton, bei der Templeton den vorsichtiger Value-Ansatz vertrat, Franklin den aggressiveren Growth-Ansatz. Erst 1996 zog sich Templeton aus dem Unternehmen zurück.

Templeton selbst war aber nicht nur für seinen Anlagestil bekannt. Er galt auch als Philanthrop und religiöser Mensch. Er war Mitglied der Presbyterianer-Kirche und Gründer der John-Templeton-Stiftung, die solche Projekte unterstützt, die Wissenschaft und Religion miteinander aussöhnen. Diese Stiftung verwaltet geschätzte 1,5 Milliarden Dollar und vergibt jährlich millionenschwere Preise. Unter anderem Mutter Theresa wurde damit bedacht.

Für sein philanthropisches Wirken wurde er 1987 zum Ritter geschlagen und war damit einer der wenigen "Sirs" in der Finanzbranche. Er hinterlässt unter anderem zwei Söhne und eine Stieftochter.

In Amerika dürfte die Todesnachricht hohe Wellen schlagen. In der deutschen Zentrale des Unternehmens verwies man auf die Unternehmensmutter, konnte nur den Tod Templetons bestätigen und verwies auf die dortigen Meldungen. "Wir bei Franklin Templeton sind tief betroffen von dem Dahinscheiden Sir John Marks Templeton, einer Legende der Finanzindustrie und einem Visionär philanthropischer Aktivitäten", heißt es in einer ersten Reaktion aus Amerika.

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