Mittwoch, 14. November 2018

Guido Sandler Vom Milchkaufmann zum Topmanager

Es war eine der seltenen Karrieren nach dem Muster vom Tellerwäscher zum Millionär: Weil der Herr des Puddings, Konzernchef Rudolf August Oetker, ihn wollte, stieg Guido Sandler vom Inhaber eines Milchgeschäfts zum persönlich haftenden Gesellschafter der Oetker-Gruppe auf.

Bielefeld - Auch als Sport- und Lokalredakteur hatte der vielseitige Guido Sandler gearbeitet, um seine Studienzeit zu finanzieren. Den Familienunternehmer Oetker, der Anfang 2007 im Alter von 90 Jahren starb, beeindruckte er, als dieser ihn um eine Einschätzung zu einer geplanten Übernahme einer Brauerei in Brasilien gebeten hatte. Sandler riet ab - wegen Ungereimtheiten in der Bilanz. Am 5. Juli wird er 80 Jahre alt.

Sandler galt als einer der führenden Manager in Deutschland. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war Aufsichtsratsvorsitzender der Hertie KG, der Karstadt AG, der Douglas Holding AG und zahlreicher Brauereien. Mitglied des Aufsichtsrats war er beispielsweise bei BMW, der Mitropa und Hornbach. Von 1982 bis 1986 war er Vorsitzender des Markenverbandes.

Nach Angaben der Oetker-Gruppe zeichnen Sandler enorme Vielseitigkeit und Disziplin aus - sowie "kontinuierlicher Erfolg". Der Riecher, der Oetker vor dem Brauereiabenteuer in Brasilien bewahrte, sollte sich auszahlen für den 1928 im oberbayerischen Nandlstadt geborenen Sandler.

Er hatte Betriebswirtschaft, Jura und Brauwissenschaft studiert, besitzt einen Abschluss als Steuerhelfer und als staatlich geprüfter Milchkaufmann. Eine ungewöhnliche Karriere begann. Bald wurde er in die Oetker-Zentrale in Bielefeld berufen, nachdem er zuvor knapp zwei Jahre lang bei der zur Oetker-Gruppe zählenden Bayerischen Aktien-Brauerei in Aschaffenburg gearbeitet hatte.

Vielseitiger Konzern: Ex-Gesellschafter Sandler galt als einer der führenden Manager Deutschlands
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Ex-Gesellschafter Sandler galt als einer der führenden Manager Deutschlands
Von 1959 an war er bei Oetker für die Getränkesparte im Einsatz. Schon 1963 wurde er Generalbevollmächtigter der Oetker-Gruppe und leitete von 1966 an als Vorsitzender der Geschäftsführung auch die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG.

Den Gipfel seiner Laufbahn erreichte er mit dem Rückzug von Rudolf August Oetker aus der aktiven Unternehmensführung. Damals, Anfang 1981, wurde Sandler persönlich haftender Gesellschafter und Mitglied der Gruppenleitung. Vor allem für die Strategien war er verantwortlich. 1997 wechselte er in den Beirat, dem er bis zum Frühjahr 2000 angehörte.

Der Vater von vier Kindern hat nach Oetker-Angaben einige Aufsichtsratsmandate niedergelegt, um für Familie und Hobbys mehr Zeit zu haben. Dennoch sei sein Rat in der Wirtschaft weiter gefragt. Noch heute setze er sich für junge Menschen ein, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. "Man braucht zunächst einmal eine gute Grundausbildung, sonst ist man kein Gesprächspartner", sagt Sandler.

Von Thomas Strünkelnberg, dpa

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