Samstag, 20. Oktober 2018

China-Knigge Kommunizieren mit Konfuzius

Nach einem geschäftlichen Gespräch mit einem Chinesen ist oft unklar, was genau eigentlich gesagt und vor allem gemeint wurde. Der Grund: Vage Äußerungen zeugen von Klugheit, weil man so besser sein Gesicht wahren kann. manager-magazin.de sagt, wie Sie die indirekten Signale Ihrer Verhandlungspartner richtig deuten.

Hamburg - Streichen Sie die Wörter "ja, aber!" und "doch!" aus Ihrem Wortschatz, wenn Sie mit Chinesen kommunizieren. Wenn in Gesprächen einer auf seinem Standpunkt beharrt statt sich auf einen Konsens á la "Eigentlich meinen wir ja alle das Gleiche" zu einigen, wirkt sein Verhalten peinlich.

Jemand unverhohlen zu korrigieren, ihm gar deutlich zu widersprechen, ist eine Beleidigung für ihn und seine Gruppe. Ein offizieller Ratgeber des französischen Tourismusministeriums und des Fremdenverkehrsbüros Maison de la France über "Chinesische Touristen - wie man sie am besten willkommen heißt" sorgte Anfang 2007 für Aufregung. Darin wurde geraten, Gespräche über "die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder strategische Fragen zu Taiwan oder Tibet" zu vermeiden. Das führte zu einem innerkulturellen Missverständnis (sowas gibt's ja schließlich auch): Menschenrechtsorganisationen in Frankreich protestierten voller Empörung, das Außenministerium distanzierte sich daraufhin von der Broschüre. Dabei sollte überhaupt nicht dazu aufgefordert werden, Probleme totzuschweigen. Und dieser Eindruck soll auch hier nicht erweckt werden.


Sylvia Lott arbeitet als Journalistin in Hamburg. Ihr Gastbeitrag für manager-magazin.de ist ein Auszug aus dem Buch "Vom Umgang mit chinesischen Geschäftsleuten".

Sylvia Lott: "Vom Umgang mit chinesischen Geschäftsleuten"; DIHK, 124 Seiten, 17,50 Euro.
Es gibt in China Probleme von A wie Aids bis Z wie Zensur, es gibt Menschenrechtsverletzungen, unwürdige Lebensbedingungen von (Fabrik-)Arbeitskräften, schamlosen Ideenklau, Korruption, Rechtsunsicherheit oder unverantwortliche Umweltverschmutzung.

Die Leser sollten nur dafür sensibilisiert werden, dass unsere westliche Art, offen Kritik zu üben, bei Chinesen falsch ankommt und dazu führt, dass sie "dichtmachen". Aber es verhält sich ja nicht so, dass sie alles toll finden. Wichtig für einen aufrichtigen Dialog ist es, sein Gespür für die chinesische Kunst des Kritikübens zu verfeinern. Sie flüstert zuweilen so sehr durch die Blume, dass es für uns fast wie eine Entschuldigung klingt ("Sicher ist es mein Fehler, dass...").

Wenn jemand seinen Job nicht gut gemacht hat, sagt man: "Er hat sicher sehr viel zu tun." Vernichtend gemeint sein kann auch übertriebenes Lob, wenn es haarscharf neben dem liegt, was heftige Kritik verdient hätte: "Wie gefiel Ihnen das Lokal?" "Oh, es liegt wirklich sehr verkehrsgünstig."

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