Freitag, 20. Juli 2018

Management Wem die Chefs vertrauen

4. Teil: Die Gattin als stiller Berater

Die Gattin als stiller Berater

Ob das auf firmeninterne Informationen eher zutrifft? Sicher nicht zwangsläufig. Dennoch: Die Berger-Forscher konnten zeigen, dass auf den obersten Hierarchiestufen der Anteil der externen Informationen abnimmt.

Katjes-Chef Fassin (r): "Ran an die Kunden!"
Die Gefahr, die diese Tendenz birgt, ist offensichtlich: Chefs, die den Blick nicht mehr nach außen richten, werden zu betriebsblinden Zahlenmenschen. Dieses Problem sehen viele Vorstandschefs heute auch. "Topentscheider, die nur noch interne Quellen nutzen, laufen Gefahr, Scheuklappen anzulegen und Kritik auszublenden", sagt etwa Payback-Chef Rittweger.

"Stimmt, das Risiko besteht", räumt auch Katjes-Chef Fassin ein. Seine Lösung: "Raus aus den Büros, ran an die Kunden!" Den Entscheidern in seiner Branche empfiehlt Fassin, "regelmäßige Storechecks zu machen oder mit den Kunden zu diskutieren. Marketing startet beim Kunden und nicht den Kollegen!"

Eine Person, auf die sich die Manager hundertprozentig verlassen, sitzt indes weder in den Büros der Vorstandsstäbe noch überhaupt in großen Büros: die eigene Frau. Ihr trauen die Chefs am ehesten. Auch bei unternehmensrelevanten Überlegungen bleibt sie durchaus nicht immer außen vor. Gerade für die absoluten Topentscheider, die Dirigenten, ist sie sogar besonders wichtig, so die Berger-Studie.

Das bestätigt auch Thomas Blunck, Vorstandsmitglied der Münchner Rückversicherung. Er bezieht seine Frau zwar nicht in Fachfragen mit ein, aber in "Themen der Führung, des Konfliktmanagements oder emotionaler Erlebnisse". Katjes-Chef Fassin zieht oft sogar weitere Familienmitglieder zurate. "Familien sind das vertrauensvollste und auch ehrlichste Netzwerk für mich. Ob man will oder nicht, den Sparringspartner habe ich als Familienunternehmer immer."

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