Freitag, 20. Juli 2018

Management Wem die Chefs vertrauen

2. Teil: Das Innenleben der Entscheider

Das Innenleben der Entscheider

Tatsächlich haben die Berater Seelenforschung einer scheuen Spezies betrieben: Topmanager stehen im Zentrum gesellschaftlicher Neiddebatten. Millionengehälter und scheinbar menschenfeindliche Standortentscheidungen führen dazu, dass die Popularität der Vorstandschefs großer Unternehmen immer weiter sinkt.


Torsten Oltmanns, Christiane Diekmann, Vera Böhm: Eliten-Marketing. Wie Sie Entscheider erreichen.; Campus Verlag, 211 Seiten, Februar 2008, 34,90 Euro
Entsprechend ungern lassen die Bosse sich in die Seele blicken. So weiß niemand, wer die vermeintlichen Jobkiller eigentlich sind, wie sie ticken, sich informieren, Entscheidungen vorbereiten. Fragen wie diese nahmen sich die Berater um Oltmanns vor. In ihren Interviews bekamen sie Einblicke ins Innenleben der Spezies Entscheider. Ein Ergebnis: Das Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Meinungsmacher ist ausgesprochen begrenzt. Selbst Forschungsinstituten und Wissenschaftlern vertrauen sie deutlich weniger als den eigenen Mitarbeitern und Kollegen in anderen Unternehmen. Je höher man in die Firmenhierarchie blickt, desto deutlicher wird dabei die Differenz.

Die Berger-Berater unterscheiden zwischen Dirigenten, Solisten und Orchestermusikern. Sie alle agieren als Entscheider, doch nur die Dirigenten sind die wirklichen Weichensteller, Vorstandschefs und zentrale Vorstandsmitglieder also. Gerade sie differenzieren sehr stark zwischen verschiedenen Informationsquellen. Hier wirken sich offenbar die gemischten Erfahrungen aus, die viele Chefs mit externen Input-Gebern machen mussten.

Bitter für die andere Machtelite eines Landes - die Politiker: Gerade ihnen trauen die Bosse in den Vorstandsetagen so gut wie überhaupt nicht. 10 Prozent halten sie für gar nicht, 70 weitere Prozent für unterdurchschnittlich glaubwürdig. Wirtschaftspolitische Naivität und kurzatmiger Populismus - wie zuletzt im Fall Nokia Börsen-Chart zeigen zu beobachten - lässt offenbar die Vertrauensbasis erodieren.

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