Montag, 10. Dezember 2018

Roland Berger Die Manager und die Menschenrechte

Unternehmen, die in totalitären Staaten wie China oder Russland Geschäfte machen, wird gern vorgeworfen, sie agierten unmoralisch und verantwortungslos. Roland Berger sieht das nicht so. Im Interview erklärt der Berater, der sich als Stifter für Menschenrechte und Bildung einsetzt, warum er meint, dass das Engagement der Wirtschaft in Sachen Freiheit und Demokratie sogar am meisten bringt.

mm.de: Herr Berger, Sie haben gerade eine Stiftung zum weltweiten Schutz der Menschenwürde und Menschenrechte sowie zur Bildungsförderung in Deutschland und Europa gegründet. Weshalb ausgerechnet diese Themen?

Einsatz für Menschenrechte und Bildung: Roland Berger ist Gründer und Vorsitzender des Aufsichtsrates von Roland Berger Strategy Consultants. Die 1967 gegründete Unternehmensberatung ist heute mit 33 Büros in 23 Ländern vertreten. Der 70-jährige Strategieberater und Networker hat verschiedene Lehraufträge und Honorarprofessuren inne und gehört den Hochschulräten mehrerer deutscher und internationaler Universitäten an. Zudem sitzt er in verschiedenen Bei- und Aufsichtsräten. Vor wenigen Wochen gründete er die Roland Berger Stiftung, die dem Schutz der Menschenrechte und der Bildungsförderung verpflichtet ist. Berger stattete die Stiftung zunächst mit 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aus, die später auf einen dreistelligen Millionenbetrag aufgestockt werden sollen.
Berger: Das Thema Menschenwürde und Menschenrechte lag mir immer schon am Herzen. Als Kind habe ich im dritten Reich miterlebt, wie unsere Familie alle vier bis sechs Wochen von der Gestapo heimgesucht wurde. Mein Vater wurde mehrfach verhaftet, endgültig im Jahr 1944, kurz nach Stauffenbergs Attentat am 20. Juli, woran er allerdings nicht beteiligt war. In der Kriegs- und Nachkriegszeit habe ich noch andere schockierende Situationen erlebt. Ich habe mir immer gesagt, solche Dinge dürfen sich nicht mehr ereignen. Sie finden leider trotzdem immer noch an vielen Orten dieser Welt statt. Aber es gibt auch zahlreiche Menschen und Organisationen, die sich weltweit für die Wahrung von Menschenwürde und Menschenrechten einsetzen. Für sie habe ich einen Preis ausgesetzt in Höhe von einer Million Euro, den Bundespräsident Horst Köhler einmal im Jahr verleihen wird.

mm.de: Sehen Sie denn in Sachen Menschenwürde und Menschenrechte in Deutschland auch heute noch Handlungsbedarf, oder richtet sich Ihr Blick ausschließlich ins Ausland?

Berger: Sicher gibt es auch in der demokratischen Welt Ungerechtigkeiten. Das Thema betrifft aber in erster Linie den nicht demokratisch verfassten Teil der Welt. Dort werden Menschenrechte immer wieder missachtet. Denken sie etwa an afrikanische Länder wie Somalia mit Darfur, an den Kongo und Nigeria. Auch manche Vorfälle in Tschetschenien und in einigen asiatischen, totalitär regierten Ländern erlauben die Aussage, dass der Schutz der Menschenrechte und Menschenwürde weltweit noch lange Zeit ein relevantes Anliegen für alle Menschen bleiben wird.

mm.de: Inwieweit kann der von Ihnen gestiftete Preis zu einer Verbesserung der Situation beitragen?

Berger: Ich stelle mir dreierlei vor. Erstens wird der Preis wegen der Höhe des Preisgeldes und weil er vom Bundespräsidenten verliehen wird, dem Thema eine nachhaltige öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. Zweitens werden die Preisträger mit dem Preisgeld und durch die Anerkennung, die sie für ihre Arbeit öffentlich erhalten, diese noch wirkungsvoller fortsetzen können. Drittens hoffe ich, dass durch den Preis vielleicht auch andere motiviert werden, sich für das Thema Menschenrechte und Menschenwürde einzusetzen.

mm.de: Für den Preis kommen sowohl Personen als auch Institutionen infrage?

Berger: Ja. Das können einzelne Menschen sein, wie ein Herr Hu aus China, oder Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen". Jede Person oder Institution, die sich erwiesenermaßen erfolgreich für Menschenrechte und Menschenwürde einsetzt und dies weiterhin vorhat.

mm.de: Die Situation in China, die Sie mit Hu Jia, der gerade zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, ansprachen, sowie die Probleme in Tibet befinden sich momentan besonders in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Wie beurteilen sie die Lage dort?

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