Montag, 19. November 2018

Sprachtraining "Joh mai, so red i hold"

Nicht jeder Manager ist in der Lage, sich verständlich auszudrücken. Der eine spricht breites Bayerisch, der andere sächselt, der nächste nuschelt, lispelt oder piepst. Dabei kann eine angenehme Stimme im Beruf essenziell sein. Gut beraten ist, wer an seiner akustischen Ausstrahlung feilt.

Stuttgart - Petra Zieglers erster Klient war ein Manager aus Bayern. Eine "Topkraft", die nur ein Problem hatte: Seine Mitarbeiter in Stuttgart verstanden ihn nicht. Es war offenbar geradezu eine Zumutung, dem Mann bei Präsentationen zuzuhören. "Johmaisoredihold", erklärte er ihr und zuckte mit den Achseln. Den Rest verstand auch Stimmtrainerin Ziegler nicht, weil er in seinen Bart nuschelte.

Wie die alten Römer: Stimmtrainerin Petra Ziegler macht Sprachübungen mit einem Korken im Mund
Kein seltenes Problem: "Obwohl sie täglich im Einsatz ist, pflegen viele ihre Stimme kaum", meint die gelernte Schauspielerin, Sängerin und ehemalige Synchronsprecherin. Dabei sei die Stimme ein Aushängeschild im Beruf und privat. "30 Prozent unserer Ausstrahlung hängt von der Stimme ab, am Telefon sind es sogar 80 Prozent." Es sei also jammerschade, wenn ein guter Inhalt verschenkt werde wie bei dem Manager.

Der Kunde aus Bayern musste zunächst bei Ziegler eine kleine Rede halten, die sie auf Video aufnahm. "Erst wenn die Leute sich bewusst hören und sehen, dann wird ihnen klar, wo der Hase im Pfeffer liegt." Dann folgten harte Arbeit, Training und Coaching. Vor dem Spiegel wilde Grimassen ziehen, damit sich die Gesichtsmuskulatur entspannt, albern wirkende Übungen wie "mame-mi-mo-mü-mä" intonieren, damit der Mund weich wird. Und das Allerwichtigste: "Bauchatmung!" "Ein und aus", sagt die zierliche Frau mit der dunklen Stimme, die den Raum füllt.

Als ein Unternehmen ihr vor vielen Jahren den Mann aus Bayern schickte, entdeckte Stimmtrainerin Ziegler ihre Nische. "Was nützt es, wenn die Firmen viel Geld für Rhetorikkurse, Präsentations- und Verkaufsschulungen ausgeben, wenn die monotone, farblose Stimme des Mitarbeiters die Zuhörer einschläfert? Oder wenn hochqualifizierte Mitarbeiterinnen mit piepsiger Stimme am Telefon gefragt werden: Kann ich mal Ihren Chef sprechen?"

"Ohne Übung geht gar nichts", betont Ziegler. Kurioserweise seien sich viele Männer und Frauen gar nicht bewusst, wie sie akustisch wirken. Eine Maschinengewehr-Stimme sagte ihr einmal: "Schwätza kenna mir sälber. Des braucha mir net lerna!"

Susanne Rytina, dpa

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