Samstag, 17. November 2018

Krisenbank Neuer Chefaufseher bei der IKB

Bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB hat die staatliche Bankengruppe KfW den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. KfW-Manager Werner Oerter tritt die Nachfolge von Ex-Eon-Chef Ulrich Hartmann an.

Düsseldorf - Nach IKB-Angaben vom Samstag in Düsseldorf wählte das Kontrollgremium den 55-jährigen Werner Oerter zu seinem neuen Vorsitzenden. Er war bei der Hauptversammlung am Donnerstag neu in den Aufsichtsrat gewählt worden.

Abgang: Auf Ulrich Hartmann (Bild) folgt Werner Oerter als Chefaufseher bei der Krisenbank
Oerter löst den früheren Eon-Chef Ulrich Hartmann ab, der den Posten als Chefkontrolleur aus Altersgründen niedergelegt hatte. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wählte das Gremium Dieter Pfundt, Persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA. Weiterer stellvertretender Vorsitzender des IKB-Aufsichtsrats bleibt KfW-Vorstand Detlef Leinberger.

Nach der turbulenten IKB-Hauptversammlung stand die Bank nach Hartmanns Rücktritt zunächst ohne Aufsichtsratsvorsitzenden da. Der eigentlich für den Posten vorgesehene kommissarischer Vorstandschef beim Solarunternehmen Conergy, Dieter Ammer, hatte auf eine Kandidatur verzichtet.

Heftige Kritik auf der Hauptversammlung

Zunächst hieß es, die Wahl eines Vorsitzenden sei auf die kommende Aufsichtsratssitzung vertagt worden, ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

Der IKB-Aufsichtsrat hatte sich von vielen Aktionären heftige Kritik anhören müssen - hatte aber jede Verantwortung für das Milliardendebakel der Bank zurückgewiesen. Die Schuld für die Beinahepleite des Instituts trägt nach Darstellung von Hartmann allein der ehemalige Vorstand, der das Kontrollgremium nicht rechtzeitig über Risiken informiert habe.

Unterdessen hat die IKB eine Kapitalerhöhung beschlossen, die voraussichtlich im Sommer umgesetzt werden soll. Das Grundkapital wird durch die Ausgabe von neuen Aktien um bis zu 1,5 Milliarden Euro auf bis zu 1,7 Milliarden Euro erhöht.

Im Juli vergangenen Jahres war die IKB als erste deutsche Bank in den Strudel der Krise auf dem US- Hypothekenmarkt geraten. Das Unternehmen, deren größter Eigentümer die KfW-Bankengruppe (43 Prozent) ist, hatte sich mit Milliardenbeträgen im Geschäft mit bonitätsschwachen Wertpapieren (subprime) verspekuliert. Nur durch mehrere milliardenschwere Hilfspakete der KfW und anderer Banken konnte die IKB vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

manager-magazin.de mit dpa

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