Dienstag, 20. November 2018

Bertelsmann Dräger geht zur Stiftung

Jörg Dräger legt sein Amt nieder. Der Hamburger Wissenschaftssenator wird in Zukunft bei der Bertelsmann-Stiftung den Bereich Bildung leiten. Außerdem wird der 40-Jährige neuer Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung.

Hamburg - "Die Entscheidung, den Senat der Stadt Hamburg zu verlassen, ist mir schwergefallen", sagt Jörg Dräger (parteilos). Er sei gern Wissenschaftssenator gewesen - habe jedoch nun entschieden, sich mit Anfang 40 einer neuen Herausforderung zu stellen.

Vorstand der Bertelsmann-Stiftung: Senator Dräger
Ab dem 1. Juli wird Dräger bei der Bertelsmann-Stiftung den Bereich Bildung leiten. Er soll sich vor allem mit der Reform des Bildungssystems in Deutschland befassen. Stiftungs-Vorstandschef Gunter Thielen betonte, Dräger sei ein international anerkannter Bildungsexperte, der eine wichtige Verstärkung für den Vorstand sei.

Dräger war seit Oktober 2001 Wissenschaftssenator in Hamburg. Zwischen April 2004 und April 2006 war er auch für das Ressort Gesundheit verantwortlich. Als Wissenschaftssenator nahm er eine umfassende Reform der Hochschulen in Angriff, zu der etwa die Einführung der Studiengebühren gehörte. Seit dem Sommer 2007 zahlen die Hamburger Studenten 500 Euro pro Semester. Damit sollen bis zu 45 Millionen Euro zusätzlich an die den Hamburger Hochschulen fließen.

Die Bertelsmann-Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Der Bertelsmann-Gründer machte aus dem Gütersloher Verlag einen der größten Medienkonzerne der Welt. Kritiker werfen der Stiftung deshalb vor, nicht unabhängig von den Verlagsinteressen agieren zu können. Zu den Aufgaben der Stiftung zählen frühkindliche Förderung und die Eigenverantwortung von Schulen.

Rücktritt nach Spesenaffäre

Schlagzeilen machte die Stiftung im vergangenen Jahr: Der frühere Stiftungsvorstand Werner Weidenfeld war wegen einer Spesenaffäre zurückgetreten. Gegen die Zahlung von 10.000 Euro hatte die Staatsanwaltschaft München das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Neben dem Vorstandsjob bei Bertelsmann wird Dräger neuer Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. Er teilt sich diese Stelle mit Frank Ziegele, der seit August 1996 beim CHE arbeitet. Ziegele, 41, ist Professor für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Fachhochschule Osnabrück. Der bisherige Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung, Detlef Müller-Böling, gibt sein Amt aus Altersgründen ab.

Das CHE wurde 1994 von der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz gegründet, um Reformen im deutschen und europäischen Bildungssystem voranzubringen. Es gilt als wichtiges Beratungsgremium in der Bildungspolitik. Die CHE-Bildungslobbyisten machen sich für mehr Autonomie und Wirtschaftlichkeit an den Hochschulen stark. Sie sprechen sich für eine stärkere Profilbildung und Wettbewerbsfähigkeit aus und befürworten auch die Einführung von Studiengebühren. "Die neue CHE-Führung kennt alle Facetten des Hochschulsystems und wird den deutschen Hochschulen auch in den kommenden Jahren wertvolle Impulse vermitteln können", lobt Margret Wintermangel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, die neuen CHE-Chefs.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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