Mittwoch, 12. Dezember 2018

Bewerben Die Gentlemen buhlen mit Klasse

Ältere Arbeitnehmer können mit zahlreichen Vorteilen punkten: Erfahrung, Disziplin, Organisationstalent, Stressresistenz und Loyalität zum Unternehmen gehören dazu. Außerdem verfügen die Silberrücken meist über mehr Kontakte und ein größeres Netzwerk. Beim Bewerben gelten für die Goldies jedoch besondere Regeln.

Stuttgart/Hamburg - "Ältere Mitarbeiter verfügen über reiches Praxiswissen", sagt Carolin Lüdemann, Business-Coach in Stuttgart. "Im Lauf ihres Berufslebens haben sie viel erlebt und schwierige Probleme gelöst." Auf dem Arbeitsmarkt waren Ältere lange Zeit benachteiligt. Inzwischen jedoch steigen ihre Chancen wieder.

In der Ruhe liegt die Kraft: Ältere Arbeitnehmer können aus einem reichen Schatz von Erfahrungen schöpfen
"Wir verzeichnen deutlich höhere Vermittlungszahlen der Bewerber 50plus", sagt Tiemo Kracht. Die ersten Auswirkungen des demografischen Wandels seien in Unternehmen bereits zu spüren, so der Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum in Hamburg. Aufgrund des Mangels an Ingenieuren und anderen Fachkräften würden einige Firmen ehemalige Mitarbeiter für Projekte sogar aus dem Ruhestand zurückholen.

Andere Unternehmen starteten Kampagnen, um gezielt Bewerber über 55 anzusprechen. Verfügt ein Unternehmen über jüngere und ältere Arbeitnehmer, könne es sowohl auf Talent als auch Erfahrung zurückgreifen. "Ein gesundes Unternehmen muss wie ein gesunder Mischwald sein - es braucht ältere und junge Kollegen", sagt Kracht.

Doch nicht immer fällt es älteren Arbeitssuchenden leicht, ihre Stärken ins rechte Licht zu rücken. "Im Anschreiben finden sich manchmal Sätze wie 'Mein Alter ist nicht von Nachteil'", berichtet Coach Lüdemann. Ein Kardinalfehler: Nicht die vermeintliche Schwäche, sondern die Kompetenzen gehörten in den Vordergrund. "Wer über eine zehnjährige Berufserfahrung in einem bestimmten Bereich verfügt, sollte dies schon im Anschreiben hervorheben und nicht erst im Lebenslauf."

Auch Berater Kracht plädiert für mehr Selbstbewusstsein: "Ältere sollten nicht als Bittsteller auftreten, sondern auf ihre Erfahrung und Leistungsbilanz hinweisen." Ab 50 Jahren zählen Arbeitnehmer heute zu den Älteren. "In der Vergangenheit haben sie sich vieles gefallen lassen müssen", sagt Jürgen Hesse. "Sie haben verinnerlicht, dass ihr Know-how von der Gesellschaft nicht mehr gebraucht wird", erklärt der Psychologe und Karrierebrater aus Berlin. Doch die Zeiten haben sich geändert. "Ältere haben wieder bessere Chancen - auch wenn es sich noch nicht überall herumgesprochen hat."

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