Freitag, 14. Dezember 2018

Doktortitel Professor Dr. h.c. Volkswagen

4. Teil: Ein Ehrendoktor für Pelé oder Karl Moik

Ein Ehrendoktor für Pelé oder Karl Moik

Die Hochschulen selbst vergeben den Titel "Honorarprofessor" nur an akademische Kollegen oder Berufspraktiker, die außerhalb des Elfenbeinturms erworbenes Know-how über Jahre in ehrenamtlichen Lehrveranstaltungen weitergegeben haben. Ausnahmsweise geht es auch anders.

Nutzt seinen Titel nicht: Ex-Moderator Wickert
So machte die FH Magdeburg-Stendal den "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert 2004, kurz vor der Pensionierung, ohne Vorleistungen am Ort zum (Honorar-) Professor für Journalistik. "Es ist eine besondere Ehre für unsere Hochschule, eine Person des öffentlichen Lebens mit einem solch internationalen Lebenslauf gewonnen zu haben", erklärte Rektor Andreas Geiger.

Werbefachleute sprechen von Imagetransfer, in diesem Falle vom Promi auf die weniger prominente Hochschule. Wickert seinerseits benutzt den Professorentitel nicht: "Ich halte aber einmal im Semester ein Seminar und mache auf Bitten des Rektors dann auch einmal im Semester eine öffentliche Veranstaltung im Audimax."

Der Marburger Politologe Frank Deppe hält es für eine Fehlentwicklung, dass immer mehr Hochschulen mit Publikumslieblingen "in der Öffentlichkeit in einem besonders gewinnenden Licht erscheinen" wollen und das dann Wettbewerb nennen. In Marburg gab es geräuschvolle Querelen um Helmut Schmidt, den nicht alle Wissenschaftler als adäquaten Ehrendoktor sahen. Am Ende erhielt der Altkanzler aber den Titel.

Das Ausland macht's vor: So adelte die Nationale Sportakademie in der bulgarischen Hauptstadt Sofia unseren Kaiser Franz zum Dr. h.c. Beckenbauer - wegen Verdiensten um die Völkerverständigung. Sollten vielleicht auch die deutschen Hochschulen auf dem Gebiet des Scheinwettbewerbs nach Hartz, Volkert und anderen endlich internationaler werden? Wie wäre es mit Pelé, Karl Moik oder Anna Netrebko? Den Bambi hat die Operndiva schon, ein akademischer Kopfschmuck fehlt ihr noch.

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