Montag, 17. Dezember 2018

Hannsheinz Porst Ein Leben wie ein Film

Unternehmergenie, Sozialromantiker, Landesverräter: Hannsheinz Porst ist einer der schillerndsten Unternehmer der deutschen Nachkriegsgeschichte. Heute feiert Porst, der seine Firma an die Mitarbeiter verschenkte, seinen 85. Geburtstag und beschäftigt sich mit Pferden und der Zucht von Hochlandrindern.

Nürnberg - Der Name Porst ist untrennbar mit der "Photo Porst"-Kette verbunden, die Hannsheinz Porst 1960 von seinem Vater Hanns übernommen hatte. Durch geschickte Werbung, Fotoversand und Teilzahlungsangebote war aus dem 1919 gegründeten kleinen Fotoladen bald ein florierendes Geschäft geworden. Um sich der aufkommenden Konkurrenz durch Neckermann und Foto-Quelle zu erwehren, baute Hannsheinz Porst das Unternehmen mit Ladenketten und Franchise- Partnern zu einem der größten Fotohäuser der Welt aus.

Lebt zurückgezogen bei Nürnberg: Unternehmer Porst
Vom kometenhaften Aufstieg bis zum freien Fall: Höhen und Tiefen lagen in Porsts Leben stets eng beieinander: Während er in den 1960er Jahren die Fotokette an die Spitze der Branche führte, landete er zweimal im Gefängnis. Zunächst wurde er wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung verhaftet und kam erst gegen eine Kaution von acht Millionen Mark wieder frei.

1969 sorgte Porst für weitere Schlagzeilen, als er wegen angeblicher landesverräterischer Beziehungen zur damaligen DDR für 16 Monate ins Gefängnis musste. "Ich wurde völlig missverstanden. Ich versuchte lediglich, gegenseitiges Verständnis zu fördern", verteidigte Porst seinen "missionarischen Eifer", der ihn dazu getrieben hatte, gleichzeitig der FDP und der SED beizutreten und angeblich für die Stasi zu spitzeln.

Aus seiner Sympathie zum Marxismus hatte Porst nie ein Hehl gemacht. Und so wagte der Unternehmer 1972 in seiner Fotokette das "Experiment Sozialismus": Er führte in seiner Firma mit Sitz in Schwabach die "totale Mitbestimmung" ein, verschenkte das Unternehmen an seine 1600 Mitarbeiter und ließ fortan basisdemokratisch entscheiden. In seinem Innersten sei er eben ein "Sozialromantiker", sagte Porst über sich selbst.

Als Unternehmer ist er daran letztlich gescheitert: Das Mitbestimmungsmodell endete 1982, das Unternehmen Porst musste mit Hilfe ausländischer Investoren gerettet werden. Trotz Restrukturierung und Sanierungsbestrebungen erholte sich die Firma nicht mehr und meldete im Jahr 2002 Insolvenz an. Das "größte Fotohaus der Welt" gibt es seitdem nicht mehr.

Hannsheinz Porst hat sich seit Ende der 70er Jahre immer mehr ins Privatleben zurückgezogen. Vor den Toren Nürnbergs widmete sich der passionierte Fotograf, Flieger, Herrenreiter und Liebhaber schwerer amerikanischer Straßenkreuzer zuletzt vor allem der Zucht von Hochlandrindern.

Inga Pflug, dpa

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