Mittwoch, 19. Dezember 2018

ARD-Dokumentation Quandt-Familie will NS-Zeit aufarbeiten

Die Industriellenfamilie Quandt will nach der Ausstrahlung des ARD-Films "Das Schweigen der Quandts" ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte ins Leben rufen. Im Zuge des "an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichteten" Projekts solle die Rolle der Unternehmerfamilie in der Nazi-Zeit geklärt werden.

Hamburg - Die Rolle der Quandts in der NS-Zeit soll von einem Zeithistoriker erforscht werden. Das teilten die Familienmitglieder Susanne Klatten, Gabriele Quandt-Langenscheidt, Sven Quandt und Stefan Quandt am Freitag mit. Die ARD hatte den Film "Das Schweigen der Quandts" am vergangenen Sonntag kurzfristig ins Programm genommen.

Mitglieder der Quandt-Familie: Stefan Quandt und Susanne Klatten
[M] mm.de / DPA / DDP
Mitglieder der Quandt-Familie: Stefan Quandt und Susanne Klatten
In der ARD-Dokumentation schilderten die Autoren Eric Friedler und Barbara Siebert, in welchem Maß die Quandts ihr Vermögen während des Nationalsozialismus durch Zwangsarbeit verdient hätten. Bis auf eine Ausnahme, Sven Quandt, hatten sich keine weiteren Familienmitglieder in der Dokumentation geäußert. "Wir werden an dieser Aufarbeitung mitwirken, indem wir die Akten und Dokumente, die sich in unseren Archiven befinden, dem Historiker zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden wir der Öffentlichkeit vorlegen", hieß es in der Erklärung der Quandts vom Freitag.

Die Vorwürfe, die im ARD-Film erhoben worden seien, hätten die Familie "bewegt", hieß es. "Wir erkennen, dass die Jahre 1933 bis 1945 in unserer Geschichte als deutsche Unternehmerfamilie noch nicht ausreichend aufgearbeitet sind. Wir sind uns als Familie einig, dass wir mit diesem Teil unserer Geschichte offen und verantwortungsvoll umgehen wollen."

Die Aufarbeitung und Offenlegung der Familiengeschichte erfolge unabhängig davon, dass familiennahe Unternehmen wie BMW Börsen-Chart zeigen, Altana Börsen-Chart zeigen, Delton und Varta Börsen-Chart zeigen sowie einzelne Familienmitglieder privat die Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" unterstützt und sich an Zwangsarbeiterfonds beteiligt hätten.

Die Familie Quandt bat in ihrer Erklärung ferner die "Medien und alle in der Öffentlichkeit stehenden Personen um Sorgfalt und Fairness im Umgang mit unserer Geschichte". Das NDR-Fernsehen wird den Film "Das Schweigen der Quandts" am 22. November um 21 Uhr noch einmal in einer um 30 auf 90 Minuten verlängerten Fassung zeigen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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