Donnerstag, 30. März 2017

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Teamarbeit "Das macht schon ein anderer"

Das Motto eines erfolgreichen Teams ist einfach: Alle müssen an einem Strang ziehen. Doch Gruppenarbeit birgt auch große Konfliktpotenziale. Gut beraten ist, wer die unterschiedlichen Charaktere im Team richtig einsetzt.

Heidelberg - Spannungen, Krach und Mobbing sind in vielen Firmen Alltag - und das Forschungsfeld des Psychologen Matthias Blümke. Der 35-Jährige untersucht, wie sich Unternehmen auf die in der Wirtschaft verstärkt eingesetzte Teamarbeit vorbereiten können, um unnötige Konflikte zu vermeiden.

Erfolgreiche Teamarbeit:
Die individuellen Stärken der einzelnen Mitglieder müssen anerkannt werden
"Für eine effektive Arbeit ist die Berücksichtigung der Rollen der einzelnen Teammitglieder von entscheidender Bedeutung", sagt der Wissenschaftler. Unverzichtbar bei der Gruppenarbeit ist nach Blümkes Darstellung die gegenseitige Anerkennung der individuellen Stärken.

Beispielsweise werde Frauen oftmals bescheinigt, dass sie eher bereit seien, sich Anliegen anderer anzuhören und auf deren Bedürfnisse einzustellen. Diese Fähigkeiten seien auch zunehmend bei Führungspersönlichkeiten gefragt, um unmotivierte Mitarbeiter von der "inneren Kündigung" oder dem "sozialen Faulenzen" im Team - nach dem Motto "Das macht schon ein anderer" - abzuhalten.

Macher, Erfinder und Perfektionisten

Für Blümke hat daher die gegenseitige Wahrnehmung und Wertschätzung der jeweiligen Rolle im Team eine besondere Bedeutung. Darunter versteht der Psychologe eine bestimmte Kombination von Verhaltensweisen - etwa wie die Mitglieder an ihre Aufgaben herangehen und wie sie sich dabei gegenüber anderen Teammitgliedern verhalten. "Ein Beispiel für eine Teamrolle könnte der Managertypus des 'Machers' sein: Stark und aufgabenorientiert. Zudem treibt er die Gruppe gerne zum Arbeiten an und erträgt Phasen der Untätigkeit oder der Beschäftigung mit dem Team eher widerstrebend und ungeduldig", sagt Blümke.

Da ein solcher Typ eine Gruppe meist vorantreibe, sei ein Gegenpol bei den Teammitgliedern sinnvoll. Dieser solle die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Gruppenmitglieder im Auge behalten, erklärt Blümke weiter. "Ein klassischer Teamplayer eben. Diese Form des Ausbalancierens verschiedener Funktionen in Arbeitsgruppen ist ein kennzeichnendes Element von Teamrollenansätzen, damit die Arbeit auch gelingen kann."

Neben einem anerkannten Koordinator in einer Gruppe müsse es daher auch Macher, Teamarbeiter, Erfinder, Kritiker, Wegbereiter, Umsetzer, Perfektionisten und Spezialisten geben, rät der Forscher. "Jedes Teammitglied kann in aller Regel bis zu zwei weitere Rollen ausreichend gut ausfüllen." Unternehmen müssten allerdings immer prüfen, ob Teamarbeit bei bestimmten Aufgaben überhaupt sinnvoll sei.

Christian Jung, dpa

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