Samstag, 17. November 2018

EnBW-Chef Claassen Ungewisse Zukunft

Der scheidende EnBW-Chef Utz Claassen will sich auch wenige Wochen vor seiner Trennung von dem Karlsruher Energiekonzern nicht über seine Zukunftspläne äußern. Claassen verriet lediglich, er werde sich "als mündiger und konstruktiv kritisch aktiver Bürger weiter mit dem Thema Energie beschäftigen".

Karlsruhe - Auch zu den nach wie vor unklaren Umständen seines vorzeitigen Ausscheidens äußerte sich Claassen nicht. Der EnBW-Chef wird seinen Chefposten zum 1. Oktober an den derzeitigen Eon-Manager Hans-Peter Villis abgeben.

EnBW-Chef Claassen: "Ich werde mich weiter mit dem Thema Energie beschäftigen"
Sorgen um einen neuen Job wird sich Claassen sicher nicht machen müssen. Die tiefschwarzen Zahlen, die der Manager auch in der aktuellen Halbjahresbilanz seines Unternehmens vorweisen kann, haben die Karriere des 44-Jährigen beim Energieversorger EnBW Börsen-Chart zeigen begleitet und seinen Ruf als knallharter Sanierer gefestigt. Denn beim Einstand des ehemaligen Unternehmensberaters und Managers an der Spitze des Energieriesen stand der Konzern noch tief in der Verlustzone.

Claassen gelang alsbald der keineswegs unumstrittene Sprung in Richtung Gewinn. Er strich nach seinem Amtsantritt im Mai 2003 rund 2100 Jobs bei dem Karlsruher Stromkonzern, verpasste den Beschäftigten im Kernbereich Energie eine 4,5-Tage-Woche ohne Lohnausgleich und verkaufte eine Reihe von Unternehmensbeteiligungen.

Auch nach seinem vorzeitigen EnBW-Abschied zum kommenden Oktober wird Claassen zumindest in der Justiz noch ein Mal im Namen seines Konzerns auftreten müssen. Am 6. November muss sich der Energieboss wegen des Vorwurfs der Vorteilsgewährung vor Gericht verantworten. Claassen hatte Ende 2005 sieben Landespolitikern Gutscheine für kostenlose WM-Eintrittskarten angeboten.

In einem anderen Ermittlungsverfahren hat er dagegen bereits einen Erfolg verbucht: Ermittlungen gegen ihn wegen möglicher Bilanzfälschung wurden eingestellt. Claassen war vorgeworfen worden, bei seinem Amtsantritt die Lage des Konzerns schlechter dargestellt zu haben.

Mit seiner durchgreifenden Art ist Claassen in seiner Zeit bei der EnBW auch mit Landespolitikern aller Couleur immer wieder angeeckt. So stritt er mit dem damaligen baden-württembergischen Umweltminister Stefan Mappus (CDU) um Meldevorschriften und mit Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) eskalierte der Streit um Claassens Auslegung seiner "Null-Toleranz-Strategie" gegen Atompannen. Auch in Berlin handelte er sich in der Debatte um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken Kritik ein.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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