Sonntag, 20. Januar 2019

Zeitarbeit Karriere zu guten Konditionen

Von Arbeitnehmern zweiter Klasse kann nicht mehr die Rede sein: Die Arbeitsbedingungen der Zeitarbeiter haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Die Branche boomt.

Berlin - Zeitarbeit wird immer wichtiger: Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beschäftigten die Leiharbeitsunternehmen im Jahr 2005 in Deutschland gut 450.000 Arbeitnehmer und damit etwa dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor.

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Dennoch gilt Zeitarbeit häufig noch immer als Beschäftigung zweiter Klasse. Dabei wird übersehen, dass sich die Arbeitsbedingungen bei vielen Zeitarbeitsunternehmen in den vergangenen Jahren erheblich verbessert haben.

So gilt seit Januar 2003, dass Zeitarbeitnehmer in Betrieben grundsätzlich die gleichen Arbeitsbedingungen haben müssen wie ihre vom Entleihbetrieb festangestellten Kollegen. Das gilt auch für die Entlohnung. Ausnahmen von dieser Regelung sind nur dann zulässig, wenn es im Zeitarbeitsunternehmen einen gültigen Tarifvertrag gibt oder der Leiharbeitnehmer vor Abschluss des Zeitarbeitsvertrages arbeitslos war. In diesem Fall muss das Verleihunternehmen für sechs Wochen nur ein Nettogehalt zahlen, das dem letzten Arbeitslosengeld entspricht.

Die wichtigsten Tarifverträge in der Zeitarbeitsbranche wurden zwischen den Einzelgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und den größten Branchenverbänden, dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) abgeschlossen. Die Tarifverträge regeln unter anderem die Vergütung, die Arbeitszeiten, den Urlaubsanspruch sowie Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit. Daneben gibt es auch Unternehmen, die mit dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) Tarifverträge abgeschlossen haben.

Zwar drängen DGB und BZA/IGZ darauf, die Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären und so Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen in der Branche festzulegen. Doch bislang konnte sich die Regierungskoalition nicht auf einen derartigen Schritt verständigen. Bis auf weiteres gilt also, dass nur Beschäftigte von den Tarifverträgen zwischen DGB und BZA/IGZ profitieren, deren Zeitarbeitgeber Mitglied in einem der Verbände ist.

Unabhängig von der Tarifbindung gilt in Zeitarbeitsunternehmen das allgemeine Arbeits- und Arbeitsschutzrecht. Der Arbeitgeber auf Zeit übernimmt die üblichen Arbeitgeberpflichten wie die Lohnzahlung, Abgabe von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen oder die Entgeltfortzahlung bei Krankheit und Urlaub. Außerdem bekommen Leiharbeitnehmer vom Verleihunternehmen auch dann Lohn, wenn es vorübergehend keine Möglichkeit zum Arbeitseinsatz bei Kunden gibt.

Dass die Gewerkschaften mittlerweile Frieden mit der lange Zeit geschmähten Leiharbeitbranche geschlossen haben, mag auch daran liegen, dass Zeitarbeitsbeschäftigte nur in geringem Umfang direkt von den Entleihbetrieben eingestellte Arbeitskräfte verdrängen. So ermittelte das IAB, dass sechs Monate nach Beginn des Leiharbeitsverhältnisses nur noch 25 Prozent der Beschäftigten beim Zeitarbeitsunternehmen angestellt sind, nur 13 Prozent waren ein Jahr oder länger ununterbrochen beim selben Zeitarbeitsbetrieb tätig.

Hendrik Roggenkamp, ddp

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