Freitag, 16. November 2018

Infineon Finanzchef Günther soll gehen - will aber nicht

Nach nur drei Monaten im Amt räumt Rüdiger Andreas Günther seinen Posten - oder auch nicht. In einer Sitzung des Aufsichtsrats wurde dem Infineon-Finanzchef heute die Trennung nahe gelegt. Eine weitere Zusammenarbeit sei nicht mehr vorstellbar. Günthers Nachfolger könnte ein alter Bekannter werden.

München - Es müssten nur noch die Modalitäten der Vertragsauflösung geklärt werden, hieß es am Montag nach der Infineon-Sitzung in Branchenkreisen. Die Konsultationen über seine Zukunft dauerten aber noch an. Nach Einschätzung in Günthers Umfeld will sich dieser dem Druck nicht beugen und nicht von sich aus gehen.

Nicht länger erwünscht: Infineon-Finanzchef Günther
Neuer Infineon-Finanzchef könnte eine alter Bekannter werden: Peter Fischl, der seit der Gründung des Chipkonzerns im Jahr 1999 bis zur Amtsübergabe an Günther am 1. Mai dieses Jahres Chief Financial Officer und Arbeitsdirektor von Infineon Börsen-Chart zeigen war. Angeblich sollen Infineon-Chefkontrolleur Max Dietrich Kley und Aufsichtsrat Johannes Feldmayer diese Lösung bevorzugen, erfuhr manager-magazin.de aus Kreisen.

Günthers direkter Vorgänger würde damit auch sein direkter Nachfolger werden. Am Vormittag hatte es noch geheißen Infineon-Manager und Finanzfachmann Gerhard Henschel sei der vom Aufsichtsrat bevorzugte Nachfolgekandidat.

Im Umfeld des Unternehmens wurde auf den angeblich autoritären Führungsstil Günthers verwiesen, um die geplante Trennung zu begründen. Seine Kritiker im Aufsichtsrat werfen dem 49-Jährigen vor, die Gesetze der Halbleiterbranche nicht zu kennen. Günther war zuletzt Chef des Landmaschinenbauers Claas im ostwestfälischen Harsewinkel. In Fachkreisen gilt der gebürtige Göttinger als untadeliger Finanzprofi.

In Branchenkreisen wurde auch über andere Gründe für die geplante Demission spekuliert: Günther sei bei dem Versuch, dunkle Ecken des Infineon-Konzerns auszuleuchten, auf Widerstände gestoßen. Wie manager-magazin.de am Vormittag exklusiv berichtete, hat der Finanzmanager versucht, frühere Bilanzierungspraktiken bei Infineon Börsen-Chart zeigen gründlicher aufzuarbeiten, als dies manchen im Konzern lieb war. Dies betreffe etwa den Bau des neuen Infineon-Hauptquartiers Campeon in Neubiberg bei München.

Nach Informationen von manager-magazin.de will sich Günther allerdings dem Druck des Aufsichtsrats nicht beugen, solange ihm nicht seine restliche Vertragslaufzeit ausgezahlt werde. Der noch immer amtierende Finanzvorstand habe gegenüber Vertrauten sogar angekündigt, bei der nächsten Vorstandssitzung zu erscheinen.

Gegen Infineon-Aufsichtsrat Feldmayer wird wegen der verdeckten Finanzierung der Arbeitnehmerorganisation AUB ermittelt. Der Siemens-Europachef saß wegen der AUB-Affäre vorübergehend in Untersuchungshaft und hat seine Ämter niedergelegt. Es ist nicht damit zu rechnen, dass er in den Siemens-Zentralvorstand zurückkehren wird.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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