Sonntag, 9. Dezember 2018

Putzmeister Der Beton und die Liebe

Karl Schlecht will ein besonderer Mensch sein. Der Putzmeister-Gründer fördert Gips und Beton, junge Menschen und alternative Energien. Seinen Erfolg hat Schlecht nicht nur Putzmaschinen und Betonpumpen zu verdanken, sondern auch seiner eigenwilligen Unternehmensführung.

Hamburg - Eigentlich wollte Karl Schlecht kein praktizierender Ingenieur werden, sondern lieber an der Uni bleiben um zu promovieren. Trotzdem gründete er 1958 in Filderstadt bei Stuttgart den Putz- und Betonpumpenhersteller Putzmeister.

Die erste Verputzmaschine bestellt sein Vater, der Gipser war, 1956 bei dem Einmannbetrieb. In einer Schmiede bei Bernhausen schraubte Schlecht die Maschine zusammen, eher widerwillig, weil ihm die Schlosserarbeit zu primitiv erschien. Trotzdem schreibt er 1957 seine Diplomarbeit über das von ihm erfundene Gerät.

Schlechts Unternehmen floriert. 1961 wird das erste Werk eingeweiht, bereits 1972 sind über 20.000 Verputzmaschinen verkauft. Putzmeister gründet Länderniederlassungen im Jahrestakt.

Die Messlatte bei Betonförderpumpen ist die Höhe, in die die graue Masse gepumpt werden kann. 1977 stellt Putzmeister den ersten Rekord auf: 310 Meter Förderhöhe werden für den Fernsehturm in Frankfurt am Main erreicht. Nur ein Jahr später werden 380 Meter Gotthard-Tunnel in der Schweiz geschafft, Mitte der 80er bereits 432 Meter bei einem spanischen Kraftwerkstunnel, 1994 wird die 500-Meter-Marke am Kraftwerk "Riva del Garda" in Italien geknackt.

Ingenieur, Hobbyphilosoph: Putzmeister-Gründer Schlecht
Gegenwärtig arbeitet Putzmeister am Burj Dubai, dem Turm von Dubai. Nach Fertigstellung 2008 soll der Wolkenkratzer mit über 700 Metern das höchste Gebäude der Welt werden. Wie hoch der Turm genau wird, darüber schweigen sich die Bauherren aus.

Irgendwann Ende der 80er Jahre muss es Schlecht nicht mehr genügt haben, lediglich Gründer eines Unternehmens für Putz- und Betonpumpen zu sein. Neben seinen technischen Neuerungen geht er nun seinen amateurphilosophischen Neigungen nach.

Schlechts neue Leidenschaft hat Folgen für Mitarbeiter und Betrieb. Der Rotarier will, dass die Liebe Einzug hält in sein Unternehmen. Schlecht nennt diese eigenartige Philosophie "Management by Love". Die Liebe diene dazu, schreibt Schlecht, den Schornstein rauchen zu lassen.

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