Mittwoch, 14. November 2018

Kohlestiftung Bonse-Geuking wird Stiftungschef

Der zähe Streit um den Vorsitz der geplanten Kohlestiftung ist entschieden: Der frühere BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking wird den Posten übernehmen. Er soll nun den Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau organisieren.

Berlin/Düsseldorf - Mit der Einigung auf den künftigen Vorsitzenden der RAG-Stiftung hat der Kohlegipfel in Berlin den Weg frei gemacht für den Börsengang des Essener Mischkonzerns im nächsten Frühjahr.

Wilhelm Bonse-Geuking (65) kennt sich aus mit der Kohle. Der gebürtige Sauerländer ist Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Bergbau. Karriere hat der künftige Chef der Kohlestiftung beim Energiekonzern Veba gemacht, aus dem später Eon wurde. Auch RAG-Chef Werner Müller, mit dem Bonse-Geuking beim Börsengang der RAG an einem Strang ziehen muss, hat lange für Veba gearbeitet.

In der Düsseldorfer Konzernzentrale leitete Bonse-Geuking den Energiestab und managte später das Erdölgeschäft der Veba. Von 1995 bis 2002 war er Vorsitzender der Veba Oel AG. Nach der Übernahme der Veba Oel durch BP war er bis Mitte 2004 Deutschland-Chef von BP. In dieser Funktion leitete Bonse-Geuking die Neuordnung des größten deutschen Tankstellennetzes und sorgte dafür, dass alle grünen BP-Zapfsäulen in blaue Aral-Säulen umgeflaggt wurden.
Vertreter des Bundes, der Kohleländer, des RAG-Konzerns und der Gewerkschaft IG BCE verständigten sich am Mittwochabend, dass die geplante Kohlestiftung vom ehemaligen Chef der Deutschen BP, Wilhelm Bonse-Geuking, geführt wird, wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mitteilte. Dem Stiftungsvorstand sollen außerdem der jetzige RAG-Arbeitsdirektor Ulrich Weber und Ex-Finanzminister Hans Eichel angehören. Auch über die Stiftungssatzung und die Größe des Kuratoriums habe man sich geeinigt. "Der Börsengang kann jetzt stattfinden", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Alle Beteiligten sprachen von einer guten Lösung.

Die Stiftung soll nun bis Ende des Monats errichtet werden. Das Bundeskabinett soll dann am 8. August über die neuen kohlepolitischen Weichenstellungen entscheiden. Auf die Stiftung sollen im Herbst von den RAG-Altaktionären die Anteile an dem Mischkonzern übertragen werden. Sie soll später die RAG mit den profitablen Sparten Chemie, Energie und Immobilien an die Börse bringen. Aus dem Börsenerlös soll sie das sozialverträgliche Auslaufen der Steinkohleförderung in Deutschland bis zum Jahr 2018 und die Altlasten des Bergbaus finanzieren.

Über den Stiftungsvorsitz hatten sich über Monate die Kontrahenten von Union und SPD, Bund und dem Kohleland Nordrhein-Westfalen, RAG und Gewerkschaft IG BCE gestritten. Die Personalie hatte in der großen Koalition in Berlin zu heftigen Querelen geführt.

Das Kuratorium soll in der Anfangsphase mit 13 Sitzen größer werden als zunächst geplant. Den Vorsitz soll Eon-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann übernehmen. Gesetzte Mitglieder sind darüber hinaus unter anderem Rüttgers, Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Wirtschaftsminister Glos sowie IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt. Nordrhein-Westfalen wird zunächst ebenso wie der Bund vier Vertreter stellen. Nach 2018 soll das Kuratorium laut Glos noch vergrößert werden.

Die RAG will mit ihrem Chef Werner Müller das Börsenparkett betreten: Der Aufsichtsrat verlängerte am Mittwoch erwartungsgemäß den Vertrag des Ex-Bundeswirtschaftsministers vorzeitig bis Juni 2011.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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