Freitag, 16. November 2018

MLP-Bilanzskandal Ex-Chef Termühlen bleibt straffrei

Der ehemalige Chef des Finanzdienstleisters MLP, Bernhard Termühlen, muss sich nun doch nicht wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation vor Gericht verantworten. Gegen die Zahlung von 100.000 Euro stellte das Mannheimer Landgericht das Verfahren ein.

Mannheim - Der frühere Chef des Finanzdienstleisters MLP Börsen-Chart zeigen, Bernhard Termühlen, muss wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation nicht vor Gericht. Das Landgericht Mannheim stellte das Strafverfahren gegen Termühlen und zwei weitere Topmanager gegen Geldauflagen ein, wie eine Sprecherin am Mittwoch mitteilte.

Muss nun doch nicht vor Gericht: Der frühere MLP-Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen
"Dem Beschluss der Strafkammer zufolge soll der Angeklagte Dr. Termühlen einen sechsstelligen, die beiden anderen Angeklagten einen fünfstelligen Betrag bezahlen", hieß es. Termühlen zufolge beläuft sich seine Geldauflage auf 100.000 Euro.

Das Gericht begründete die Einstellung des Verfahrens unter anderem mit "rechtlichen Bedenken". Außerdem stünden die zu erwartenden Strafen nicht in angemessenem Verhältnis zu der langen Verfahrensdauer, "da andere Gerichte in vergleichbaren Fällen bislang nur Geldstrafen verhängt" hätten.

Trotz seiner Einwilligung zur Zahlung des Betrags besteht Termühlen weiterhin darauf, dass er sich keinerlei strafrechtlicher Verfehlungen schuldig gemacht habe. Mit seinem Entschluss habe er vermeiden wollen, dass sich das Verfahren noch weitere Jahre in die Länge ziehe.

Gegen die drei Beschuldigten hatte die Staatsanwaltschaft Mannheim bereits Ende 2004 Anklage wegen Verdachts der Bilanzmanipulation erhoben. Ex-MLP-Chef Termühlen und der frühere Vorstand der - inzwischen verkauften - Tochter MLP Lebensversicherung AG sollten Jahresabschlüsse für das Geschäftsjahr 2001 geschönt haben, um Ertragslage und Wachstum des Unternehmens in besserem Licht darzustellen. Dem ehemaligen Prokuristen und kaufmännischen Leiter warf die Behörde Beihilfe vor.

Das auf Akademiker spezialisierte Unternehmen hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. "Wir haben mehrere Gutachten vorgelegt, dass die Bilanzierungs-Darstellung in Ordnung ist", sagte ein MLP-Sprecher. "Die Einstellung bestätigt unsere Rechtsauffassung, die wir seit langem vertreten." Das Mannheimer Gericht habe das Verfahren auch wegen rechtlicher Bedenken nicht eröffnet, erklärte nun die Sprecherin. Die strittige Bilanzierungspraxis sei aus Sicht der Wirtschaftskammer "als Straftat nicht haltbar".

MLP war nach den Fälschungsvorwürfen in die tiefroten Zahlen gerutscht und aus dem Deutschen Aktienindex Dax ausgeschieden. Die Aktie des einstigen Börsenstars hatte zuvor 88 Prozent ihres Wertes verloren. Termühlen, der das Unternehmen seit 1999 geführt hatte, nahm Ende 2003 seinen Hut. Die rapide Talfahrt der Jahre 2002 und 2003 war auch am Führungsstil des als wenig kritikfähig geltenden Westfalen festgemacht worden. Uwe Schroeder-Wildberg - der erste Finanzvorstand in der MLP-Firmengeschichte - rückte an seine Stelle. Mit Schroeder-Wildberg änderte sich bei dem MDax-Unternehmen auch die Form der Bilanzierung: Seriosität vor Wachstum lautet unter seiner Führung die Devise.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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