Dienstag, 11. Dezember 2018

BP Führungskrise verschärft sich

Nach dem Rücktritt von BP-Chef John Browne gerät nun auch Raffinerievorstand John Manzoni unter Druck. Einem internen Bericht fällt der Tod von 15 Männer und Frauen in der BP-Raffinerie in Texas in Manzonis Verantwortungsbereich.

Düsseldorf/Hamburg - Der britische Ölkonzern BP Börsen-Chart zeigen will an seinem Konzernvorstand John Manzoni festhalten, obwohl dieser dem "Handelsblatt" zufolge in einem internen Bericht schwer belastet wird.

Sicherheitsmängel: Europas größter Ölkonzern gerät mit Störfällen immer wieder in die Schlagzeilen
Trotz der von BP selbst aufgedeckten Mängel sieht das Unternehmen keinen Handlungsbedarf. "BP hat seine Prüfung des Berichts abgeschlossen, die Empfehlungen zur Kenntnis genommen und bereits alle Maßnahmen ergriffen, die das Unternehmen zu ergreifen gedenkt", sagte ein BP-Sprecher der Zeitung.

BP steckt in einer Führungskrise, nachdem Vorstandschef Lord John Browne nach einem verlorenen Rechtsstreit um Veröffentlichungen über eine frühere homosexuelle Beziehung in der vergangenen Woche zurücktrat.

Der Ölmulti geriet in letzter Zeit immer wieder in die Schlagzeilen. Ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses prangerte mangelnde Sicherheitsvorkehrungen des Unternehmens an, die zur Explosion einer Raffinerie im US-Bundesstaat Texas geführt hätten.

Bei dem Unglück vor zwei Jahren starben 15 Menschen. BP habe sowohl in Texas als auch zuvor in Alaska, wo wegen eines Lecks in der Pipeline Ölfelder teils stillgelegt werden mussten, fahrlässig gehandelt.

Warnsignale nicht beachtet

Laut "Handelsblatt" kommt nun eine hochkarätig besetzte Kommission unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden von BP Deutschland, Wilhelm Bonse-Geuking, in einem internen Bericht zu dem Schluss, dass zahlreiche Managementfehler für den Tod der 15 Männer und Frauen in der BP-Raffinerie in Texas verantwortlich waren.

Manzoni habe zahlreiche Warnsignale unbeachtet gelassen, sei dem Bericht zu entnehmen, der dem Blatt vorliege. Der für das weltweite Raffineriegeschäft zuständige Manager habe seine Pflichten nicht erfüllt. Manzoni habe in der Vergangenheit stets behauptet, dass er vor der Explosion keine Kenntnis von den Sicherheitsmängeln auf der Raffinerie gehabt hätte.

Schon 2002 habe jedoch eine Untersuchung der Unternehmensberatung AT Kearney vor großen Risiken in der Raffinerie Texas City gewarnt.

Manzoni habe die Raffinerie 2003 und 2004 selbst besucht und den schlechten Zustand der Anlagen gesehen. Außerdem habe es schon 2004 eine Explosion und Todesfälle gegeben. Der Report trage zwar den Aufdruck "vertraulich, nur für den inneren Gebrauch", sei aber in der vergangenen Woche durch einen Gerichtsbeschlusses öffentlich geworden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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