Samstag, 20. Oktober 2018

KarstadtQuelle Entschädigung für Wertheim-Erben

Nach dem jahrelangen Rechtsstreit um die Wertheim-Immobilien wird KarstadtQuelle die Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie nun entschädigen. Der Handelskonzern hat mit der Jewish Claims Conference eine außergerichtliche Einigung erzielt.

Düsseldorf - KarstadtQuelle Börsen-Chart zeigen und die Jewish Claims Conference (JCC) haben ihren Streit um das Berliner Lenné-Dreieck beigelegt. Der Warenhaus- und Versandhandelskonzern wird für das Grundstück 88 Millionen Euro an die JCC zahlen.

Einigung: KarstadtQuelle-Chef Middelhoff und JCC-Direktor Roman Haller legen Streitigkeiten um Wertheim-Erbe bei
Die Nationalsozialisten hatten die Immobilie der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim vor mehr als 60 Jahren abgenommen. Die außergerichtliche Einigung kam nach knapp einjährigen Verhandlungen zustande. Die JCC vertritt die Ansprüche der Wertheim-Nachfahren. Laut JCC handelt es sich um eine der höchsten Entschädigungssummen, die je für eine Enteignung während der Nazizeit gezahlt wurden.

"Das Materielle sei aber nicht das Entscheidende", sagte Gideon Taylor, Executive Vice President der JCC. Die Einigung zwischen KarstadtQuelle und der JCC habe vielmehr "gewaltigen symbolischen Charakter. Sie ist ein sehr wichtiger Schritt, um das Unrecht der Vergangenheit zu korrigieren". Nach einer Begegnung mit KarstadtQuelle-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff vor einigen Wochen in Frankfurt am Main einigten sich der Konzern und die JCC auf die Grundzüge der jetzt getroffenen Vereinbarung.

Keine Auswirkungen auf KarstadtQuelle Ergebnis

Noch im vergangenen Jahr hatte KarstadtQuelle eine Entschädigung für das Lenné-Dreieck kategorisch abgelehnt und wollte sich notfalls auf einen Rechtsstreit einlassen. Rückstellungen für eine Einigung mit der JCC hat der Konzern entgegen früheren Aussagen aber bereits gebildet.

Das Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz, das die Nazis der Familie Wertheim abgenommen hatten, war nach Kriegsende zunächst Teil Ostberlins und fiel 1988 im Zuge eines Gebietstausches an den Westteil der Stadt. 1991 bekam der Kaufhauskonzern Hertie, der in den 1950er-Jahren die Wertheim-Kaufhäuser von den Nachfahren der jüdischen Kaufmannsfamilie erwarb, das Grundstück vom Land Berlin zurück.

Mit der Übernahme von Hertie durch Karstadt 1994 gelangte es in den Besitz des Essener Konzerns. Der verkaufte es Ende 1999 an den Metro-Gründer Otto Beisheim für 145 Millionen Euro. Heute steht auf dem Gelände im Herzen der Hauptstadt das Beisheim-Center, zu dem Büros und zwei Hotels gehören.

KarstadtQuelle erklärte am Freitag, nach der Einigung mit der JCC seien alle strittigen Fragen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Wertheim-Grundstücks erledigt. Die Familie Wertheim ziehe ihre in den USA erhobenen Schadenersatzklagen gegen den Warenhauskonzern zurück.

manager-magazin.de mit Material von vwd

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