Montag, 21. August 2017

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CEO of the Future Erst Sieger, dann Chef

5000 Studenten und Jungmanager nahmen die Herausforderung an, 24 schafften es bis in das packende Finale des Strategiewettbewerbs "CEO of the Future". Vor einer hochkarätigen Jury mussten die Chefs von morgen knifflige Business Cases lösen. manager-magazin.de stellt die Gewinner vor.

Verena Delius - 1. Platz

Kitzbühel - Wahrscheinlich gibt es leichtere Szenarien als den Business Case, um den sich Verena Delius und ihr Team kümmern müssen: Eine Versicherungsfirma aus der Schweiz will im südkoreanischen Markt Fuß fassen. Die Frage lautet: Ist es sinnvoll, zu diesem Zweck ein Unternehmen aus Südkorea namens Hankuk zu übernehmen oder eher nicht?

Verena Delius (28) hat künftig einen prominenten Coach für ihre weitere berufliche Karriere - Bayer-Chef Werner Wenning
Es geht um den Unterschied zwischen Non-Life- und Long-Term-Versicherungen, um "Transaction-Analysen" und um die Kultur südkoreanischer Manager, die sich dann doch ein wenig unterscheidet von der Uhren-und-Schoko-Akkuratesse der Schweizer.

Delius redet schnell, die zahlreichen Nachfragen bringen sie nicht aus der Ruhe, und irgendwie schafft sie es, inmitten der Zahlenorgien den Überblick zu behalten und für die Hankuk-Übernahme eine "strategische Synergieprämie" von 110 Millionen Schweizer Franken zu ermitteln.

Die Jury (in alphabetischer Reihenfolge)
Arno Balzer, Chefredakteur manager magazin
Herbert Henzler, Beiratspräsident Credit Suisse
Friedrich Joussen, Deutschland-Chef Vodafone
Henning Kagermann, Vorstandschef SAP
Klaus Kleinfeld, Vorstandschef Siemens
Jürgen Kluge, Ex-McKinsey-Chef Deutschland
Frank Mattern, McKinsey-Chef Deutschland
Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur SPIEGEL ONLINE
Michael M. Rüdiger, Aufsichtsratsvorsitzender Credit Suisse Deutschland
Fabienne Serfaty, McKinsey
Werner Wenning, Vorstandschef Bayer
Johannes Züll, Geschäftsführer n-tv
Eine hübsche Summe, doch letzten Endes, sagt die Absolventin der elitären Hochschule St. Gallen mit Schwerpunkt Finanzen, als alles vorbei und sie auf Platz eins des Wettbewerbs gelandet ist, sei sicheres Fachwissen nur ein Teil des Erfolgsrezepts: "Die Juroren sind auch nur Menschen - die wollen unterhalten werden. Und zu einem guten Produkt gehört auch eine überzeugende Präsentation."

Dass sie Menschen begeistern kann, hat Delius, groß, blond, schlank, bereits eindrucksvoll bewiesen: Schon mit Anfang 20 gründete sie Bielefelds erstes Sushi-Restaurant; nach einer Stippvisite im Beteiligungsmanagement der Münchener Rück gründete sie 2004 ihre eigene Finanzbeteiligungsfirma "Delius Capital" und stemmte Projekte wie die Prospektierung geschlossener Fonds und den Aufbau eines Onlinehandels mit Tee. Da war sie 25.

Delius, deren Karriere künftig von Bayer-Chef Werner Wenning als Mentor begleitet wird, ist einer jener Menschen, die vor Energie geradezu vibrieren. Muss sie länger als zwei Minuten untätig sein, streicht sie sich nervös durchs Haar, die Knie beginnen zu wippen. Kaum erstaunlich, dass sie im Lebenslauf unter "Aktivitäten und Interessen" neben Fußball, Joggen und Skifahren angibt: "Neue Geschäftsideen, Businesspläne schreiben". Man wird wohl noch einiges hören von Verena Delius.

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