Freitag, 16. November 2018

Wulf von Schimmelmann Mit ruhiger Hand

Wulf von Schimmelmann gibt sein Amt als Vorstandschef der Postbank vorzeitig auf. In acht Jahren krempelte der heute 60-Jährige das einstige Staatsunternehmen komplett um und trimmte es auf Renditekurs - unauffällig, lautlos und mit ruhiger Hand.

Frankfurt am Main - In seinen gut acht Jahren an der Spitze der Postbank Börsen-Chart zeigen hat Wulf von Schimmelmann aus einem renditeschwachen Staatsunternehmen eine hochmoderne und profitable Privatkundenbank gemacht. Nun verlässt der 60-Jährige Deutschlands größte Filialbank mit 14,6 Millionen Kunden Ende Juni auf dem Gipfel des Erfolges.

Tritt vorzeitig ab: Sein Vertrag läuft eigentlich bis April 2008. Jetzt gibt Postbank-Chef von Schimmelmann sein Amt vorzeitig ab - aus persönlichen Gründen, heißt es.
Bis zuletzt schwieg er sich zu den Gründen über seinen vorzeitigen Rücktritt aus; manager magazin hatte über von Schimmelmanns Rücktrittsabsichten bereits Ende Januar exklusiv berichtet. "Ich habe das große Glück, dass ich derzeit nichts tun muss, was mir keinen Spaß macht", meinte von Schimmelmann spitzbübisch grinsend auf die Frage, ob ihm seine Arbeit noch Freude bereite.

Dabei hatte der in Steinhöring östlich von München geborene Banker nicht immer nur Spaß an seiner Arbeit. Von Schimmelmann musste die 1995 vom Bund in die Selbstständigkeit entlassene Bank komplett umkrempeln. Der Technik-Liebhaber investierte in eine leistungsfähige IT und sorgte so für mehr Effizienz. Zugleich drückte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler die Kosten und baute die Beratung über Internet und Telefon aus.

Die Zahl der Mitarbeiter sank so von 1998 bis 2002 um gut ein Sechstel, während der Gewinn stetig kletterte. Heute beschäftigt die Bonner Bank, die 2005 Deutschlands zweitgrößte Bausparkasse BHW gekauft und 850 Filialen der Deutschen Post übernommen hat, an die 22.000 Mitarbeiter.

"Wir gehen über den Fluss, wenn wir am Ufer sind"

Bei all den Umbauarbeiten kam von Schimmelmann seine ruhige, überlegte Art zu Gute. "Wir gehen dann über den Fluss, wenn wir am Ufer angekommen sind", lautet ein Motto das Bankers. "Und das lebt er auch", heißt es dazu in seinem Umfeld. Ein Mitarbeiter legt Wert auf die Feststellung, dass er den Chef noch nie laut oder ausfallend erlebt hat.

Seine Unaufgeregtheit half von Schimmelmann im Sommer 2004, die Postbank Börsen-Chart zeigen trotz heftigen Gegenwinds erfolgreich an die Börse zu führen. Zeitweise liebäugelte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit der Übernahme des Finanzinstituts, während sie dieses als Emissionshaus begleitete. Zudem gelangten vertrauliche Studien nach außen, die den Wert des Börsenkandidaten in Frage stellten. Dennoch war die Emission zweieinhalbfach überzeichnet. Die Aktien, zum Preis von 28,50 Euro verkauft, kosten heute mehr als das Doppelte. Die Lorbeeren erntete von Schimmelmann im September 2006, als die Postbank für Schering in den Leitindex Dax aufrückte.

Von einer Bank zur anderen

Der Postbank-Chef - mit vollem Namen Wulf Freiherr von Schimmelmann - begann seine Karriere 1972 als Berater bei McKinsey. Nach Stationen in Zürich, Cleveland, Kuwait und Düsseldorf wurde er 1978 zum Partner ernannt. Noch im gleichen Jahr wechselte er in den Vorstand der Landesgirokasse in Stuttgart (heute Teil der LBBW).

Im Jahr 1984 rückte Wulf von Schimmelmann in den Vorstand der DG Bank auf, die er sieben Jahre später verließ und zur BHF-Bank wechselte. Damit hat der begeisterte Hobby-Segler alle drei Sektoren des deutschen Kreditwesens kennengelernt. 1997 machte er sich mit einer Beteiligungsgesellschaft selbstständig, zwei Jahre später wurde er zur Postbank geholt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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