Freitag, 16. November 2018

Total Taittinger-Erbe wird Chef

Frankreichs größter Industriekonzern hat einen neuen Chef. Christophe de Margerie, Spross der Champagner-Dynastie Taittinger, übernimmt ab sofort das Ruder. De Margeries wichtigste Aufgabe wird es sein, das Image von Total zu stärken. Aber gerade dafür ist der Manager nicht die beste Wahl.

Paris - Der Verwaltungsrat des französischen Energiekonzerns Total Fina Elf Börsen-Chart zeigen hat Christophe de Margerie zum neuen CEO ernannt. De Margerie übernimmt damit wie bereits im September angekündigt den Führungsposten von Thierry Desmarest. Desmarest behalte sein Amt als Chairman, teilte der französische Ölkonzern am Dienstagabend mit.

Lenkt den größten Industriekonzern Europas: Total-Chef de Margerie
De Margerie, Enkel von Pierre Taittinger, dem Begründer des gleichnamigen Luxusimperiums, startet seine Amtszeit mit guten Zahlen. So hat Total 2006 trotz eines schwachen vierten Quartals einen Rekorderlös erzielt. Vor Sonderposten stieg der Nettogewinn nach Unternehmensangaben vom Mittwoch im vergangenen Jahr um 5 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro.

Ein Rückgang bei Produktion und Ölpreisen sowie höhere Kosten führten im abgelaufenen Quartal aber zu einem schwächeren Ergebnis: Der Reinerlös fiel um 10 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, lag aber dennoch leicht über den Markterwartungen. Der Konkurrent Royal Dutch Shell Börsen-Chart zeigen hatte im gleichen Quartal dagegen einen Gewinnanstieg um 11 Prozent verbucht.

Die Unruhen im Ölförderland Nigeria waren Total zufolge unter anderem Grund für einen Rückgang der Öl- und Gasproduktion um 2,5 Prozent im vergangenen Jahr. Für das laufende Jahr kündigte der Konzern Investitionen von insgesamt 16 Milliarden Dollar an. Drei Viertel der Gelder sollen demnach in Erschließungs- und Produktionsvorhaben fließen. Zudem rechnet Total mit einem durchschnittlichen Anstieg der Kohlenwasserstoffherstellung um mehr als 5 Prozent pro Jahr.

Bis vor Kurzem galt es gar nicht als ausgemachte Sache, das de Margerie den Posten überhaupt erhält. Denn seit Oktober vergangenen Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft Paris wegen des Verdachts auf Korruption gegen den neuen Total-Chef. Der Vorwurf: Der Manager soll die Regierungen im Irak, in Iran und Kamerun geschmiert haben, um Aufträge an Land zu ziehen. Dafür steckte der französische Ermittlungsrichter Philippe Courroye de Margerie Ende Oktober für 48 Stunden in Untersuchungshaft.

Bisher hat de Margerie die Affäre schadlos überstanden. Die Vorwürfe gegen ihn kommentierte er knapp mit dem Wort "bullshit". Dennoch stärkten ihm der belgische Großaktionär Albert Frère und sein Vorgänger Desmarest präventiv den Rücken. Genutzt hat das bisher offensichtlich wenig: Umfragen zufolge ist Total in Frankreich noch immer der unbeliebteste Konzern des Leitindex CAC 40 Börsen-Chart zeigen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH