Donnerstag, 17. August 2017

Fußballer und Geld Schlechter Rat ist teuer

Solange sie spielen, ist der Neid ihnen sicher. Profifußballer verdienen schnelle Millionen. Doch wenn sie mit dem Sport aufhören, verlieren viele ihr Vermögen genauso schnell wieder. Die Beispiele der Prominenten zeigen, wie sich eine blauäugige Anlagestrategie rächt.

Hamburg - "Ich will nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen." Dieser bescheidene Wunsch ist aus Erwin Kosteddes Zeit als Bundesligastar überliefert. Das war in den 70ern, und Kostedde konnte darauf hoffen, für immer ausgesorgt zu haben. Doch nachdem er 1983 seine Profikarriere beendete, musste Kostedde bald feststellen, dass er sein Geld in die falschen Hände gegeben hatte. Ein Anlageberater hatte sein gesamtes Vermögen in Schulden verwandelt.

Der Star musste doch wieder arbeiten, hatte aber weder als Verkäufer noch als Vertreter Erfolg, und es ging weiter bergab. Nur der Traum vom Tresen ließ sich verwirklichen. Der Tiefpunkt kam 1990. Während die Nationalmannschaft, der er selbst einmal angehört hatte, ihren Weltmeistertitel feierte, saß Kostedde monatelang in Untersuchungshaft. Man verdächtigte ihn, eine Spielhalle überfallen zu haben. Er wurde freigesprochen, doch Kostedde hatte außer seinem Vermögen auch die meisten Freunde verloren. Noch heute lebt er vereinsamt und verarmt in seiner Heimatstadt Münster.

Nicht immer ist der Fall so tief und ungebremst, doch das schnelle Geld hat sich schon für viele Fußballprofis als flüchtig erwiesen. Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) hat ermittelt, dass die Hälfte des letzten Bundesligakaders von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1985 20 Jahre später von Sozialhilfe lebte. Nach Angaben der Rostocker Vermögensberater Christian und Michael Daudert, die sich auf Fußballprofis spezialisiert haben, beenden heute 26 Prozent der Spieler ihre Karriere mit mehr Schulden als Guthaben.

Das Runde muss in das Eckige: Vermögen bildet sich nach komplizierteren Regeln
Martin Schneider ist einer von ihnen. Er verlor im Jahr 2000 zwei Millionen Mark, als mehrere geschlossene Immobilienfonds platzten. Damals kam vieles zusammen: Kreuzbandriss, Vertragsende, Scheidung von der Ehefrau, und dann stand er auch noch vor einem Schuldenberg. Doch wenn er heute darüber spricht, klingt er erstaunlich gelassen.

"Es hat sogar etwas Gutes. Dann regt man sich über Kleinigkeiten nicht mehr so auf", sagt Schneider. "Wenn das nicht passiert wäre, könnte ich vielleicht in Saus und Braus leben." Doch immerhin habe er noch ein Restaurant, arbeite als Trainer bei seinem Schweinfurter Heimatverein und bekomme Rente als Sportinvalide.

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