Mittwoch, 21. November 2018

Rudolf-August Oetker Konzernpatriarch gestorben

Einer der größten deutschen Familienunternehmer der Nachkriegszeit, Rudolf-August Oetker, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 90 Jahren in einer Hamburger Klinik.

Hamburg - Ein Sprecher des Unternehmens Oetker bestätigte am Dienstag, dass Rudolf-August Oetker in den frühen Morgenstunden in Hamburg gestorben sei. Er wurde 90 Jahre alt.

Backmittelhersteller, Reeder, Global Player: Rudolf-August Oetker
Der Firmenpatriarch hatte maßgeblichen Anteil daran, dass aus dem Bielefelder Backpulver-Hersteller eines der großen Familienimperien Deutschlands wurde. Er war einer der reichsten Männer des Landes und hat aus drei Ehen acht Kinder. Sein vielleicht wichtigster Grundsatz lautete: "Solange ich lebe, bleibt Oetker ein Familienunternehmen."

Oetker kam am 20. September 1916 zur Welt; er war der Enkel des Firmengründers und Apothekers Dr. August Oetker. Nach einer Banklehre trat er 1941 mit nur 25 Jahren als Gründererbe in das Backmittelgeschäft ein. Damals wurde es noch von Rudolf-August Oetkers Stiefvater, Richard Kaselowsky, geleitet.

Über Kaselowsky wird Rudolf-August Oetker später sagen: "Einen besseren Vater könnte ich mir nicht vorstellen, einen besseren Lehrherrn für mich auch nicht." Als Kaselowsky mit einem Teil der Familie 1944 bei einem Bombenangriff starb, fiel die Alleinverantwortung an Rudolf-August. An ihm ist es, die Oetker'schen Nährmittelfabriken nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufzubauen. Er war gerade Ende zwanzig, und außer einer Banklehre hatte er nicht viel vorzuweisen.

Dennoch gelingt es ihm, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Mehr noch: In den fünfziger und sechziger Jahren schafft er es, einen der am breitesten diversifizierten Konzerne Deutschlands auf die Beine zu stellen.

Grundstein sind Aktienpakete der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, ein Vermächtnis Kaselowskys. Nicht zuletzt dank heftiger staatlicher Förderung bringt es Oetker mit seiner in der Hamburg-Süd-Gruppe zusammengefassten Flotte zum größten Privatreeder der jungen Republik. Es geht die Sage, Konrad Adenauer höchstselbst sei einmal zutiefst betroffen gewesen, als er am Beispiel der Oetker-Reedereien erfuhr, welche riesigen privaten Vermögen mit Hilfe der großzügigen deutschen Steuergesetzgebung nach dem Krieg aufgebaut worden seien.

Daneben übernahm er Sektkellereien (Henkell, Söhnlein, Deinhard), Spirituosenhersteller (Wodka Gorbatschow) und Brauereien (Binding, Dortmunder Aktienbrauerei). Er kaufte das Bankhaus Hermann Lampe und Luxushotels in Paris, an der Côte d'Azur und am Vierwaldstätter See. So entstand ein heute in 35 Ländern operierender Konzern mit einem Gesamtumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro.

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