Freitag, 16. November 2018

Kinowelt Kölmels Comeback

Der Medienunternehmer Michael Kölmel ist zweieinhalb Jahre nach seiner Verurteilung wieder gut im Geschäft. Denn die Vermarktung des Fußball-WM-Films "Deutschland - ein Sommermärchen" war ein durchschlagender Erfolg. Außerdem gehört Kölmel das Leipziger Zentralstadion und ein Teil des Zweitausendeins-Verlags.

Leipzig - Nach Angaben Michael Kölmels wird die Kinowelt-Gruppe in diesem Jahr einen Umsatz von annähernd 100 Millionen Euro erreichen. Außerdem kaufte der 52-Jährige im September überraschend zusammen mit seinem Bruder den Zweitausendeins-Verlag - und nebenbei gehört ihm das Leipziger Zentralstadion mit 45.000 Plätzen.

Nach Insolvenz erfolgreich: Kinowelt-Gründer Kölmel
"Auch der Gewinn wird deutlich steigen", sagt Kölmel. Obwohl sich der Umsatz innerhalb von nur zwei Jahren etwa verdoppelt hat, hält er das Wachstumstempo für angemessen. "Darin ist auch ein möglicher Misserfolg bei einem neuen Film einkalkuliert."

Kölmel hat die schweren Jahre nicht vergessen, als er vom hoch gelobten Börsenstar, der 1998 zusammen mit seinem Bruder Rainer die Kinowelt Medien AG gründete, zum Pleitier wurde, weil die Firma 2001 in Konkurs ging.

Kölmel wurde ein Filmpaket zum Verhängnis, das er vom US-Konzern Time Warner Börsen-Chart zeigen erwarb und bei dem er sich gegen Bertelsmann und Kirch durchsetzte. Da er die Filme in Deutschland nicht weiterverkaufen konnte, blieb er auf den Kosten und Schulden von 400 Millionen Euro sitzen.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Gerichtsverfahren gegen ihn neun Jahre Haft gefordert. Kölmel habe sich wiederholt und mit krimineller Energie bereichert und einen enormen Schaden verursacht, hatte der Staatsanwalt gesagt. Nach Auffassung der Anklage verletzte Kölmel mehrfach seine kaufmännischen Sorgfaltspflichten und täuschte Aktionäre und Öffentlichkeit.

Im Sommer 2004 verurteilte das Landgericht München Kölmel wegen Untreue in vier Fällen und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 126.000 Euro. Der Richter bescheinigte ihm damals, er sei kein Schwerverbrecher, neige aber zu einem "gewissen Abenteurertum". Im Sommer 2006 hat die Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage gegen Kölmel wegen weiterer Delikte im gleichen Zeitraum erhoben, die aber noch nicht zugelassen ist.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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