Freitag, 14. Dezember 2018

Bernard Meyer Vater der Luxusliner

"Schiffbau gilt immernoch als 3-D-Industrie: dirty, dangerous, difficult", sagt Bernard Meyer. Er selbst lässt sich davon nicht abschrecken. In sechster Generation leitet er die Papenburger Meyer Werft - und machte aus einer Marktnische ein lukratives Geschäft.

Papenburg - Der Nordwesten Niedersachsens zählt nicht gerade zu den landschaftlich abwechslungsreichsten Gegenden. Wo man hinschaut, ist das Land platt, nicht ein Hügel versperrt die Sicht zum Horizont. Unterbrochen wird dieser Endlosblick in der Nähe von Papenburg von einem Gebäudekomplex, der wie auf die Wiese geworfen aussieht. Was im Hamburger Hafen als mittelgroße Werfthalle durchgehen würde, wirkt inmitten von Wiesen, Schafen und vereinzelten Gehöften wie ein riesiger Klotz.

Die Meyer Werft, zu der die Hallen gehören, macht ihrer Bedeutung durch ihre scheinbare Riesenhaftigkeit alle Ehre. Das Unternehmen ist zum Aushängeschild für die Region geworden; Papenburg ist untrennbar mit dem Namen Meyer verbunden. Bereits in sechster Generation führt Bernard Meyer heute die Geschäfte des Familienunternehmens.

Der 57-Jährige ist stolz auf seine Werft - und auf seine Heimat. Er macht den zurückhaltenden, aber herzlichen Eindruck, der für die Bewohner dieser kargen Gegend typisch ist. In seinen Aussagen ist er stets positiv - aber auch vorsichtig. "Ich stelle mich darauf ein, dass die Branche im nächsten Jahr erhebliche Überkapazitäten hat", sagt er zum wachsenden Konkurrenzdruck aus Asien. Die Wettbewerber aus Japan, Korea und China nehme er sehr ernst. Bereits heute werden rund 90 Prozent aller Schiffe in Asien gebaut.

Wo andere in Panik oder Angststarre verfallen würden, hat sich Meyer den Blick für das Strategische bewahrt. "Er denkt an überübermorgen, ist anderen zehn Jahre voraus", meint Erwin Siemens, Betriebsratsvorsitzender der Werft. Der 33-Jährige rechnet dem Papenburger hoch an, dass er keine Berührungsängste mit der Belegschaft zeige. "Er ist von früh morgens bis spät abends in der Werft und weiß genau, was in den Hallen los ist", betont Siemens. In seinen Augen ist Meyer kein klassischer Manager, sondern redet mit seinen Mitarbeitern. Dabei habe der Werftchef auf der einen Seite zwar immer ein festes Ziel vor Augen. Wenn es darauf ankommt, sei er Siemens zufolge aber auch zu Kompromissen bereit.

Seit Meyer nach einem Studium als Schiffbauingenieur 1982 die Geschäfte der Werft von seinem Vater Joseph-Franz Meyer übernahm, ist Verhandlungsgeschick und diplomatisches Können gefragt. Einerseits ist er mit seinem Unternehmen ein Global Player, der sich im internationalen Schiffbau bewähren muss und die Entwicklungen des Weltmarkts nicht aus den Augen verlieren darf. Andererseits ist er ein in seiner Heimat verwurzelter Familienunternehmer, der die rund 2300 Arbeitsplätze, die die Werft derzeit bietet, in der Region halten will.

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