Mittwoch, 19. Dezember 2018

Serviceclubs "Qualität zählt mehr als Vitamin B"

Serviceclubs wie Lions oder Rotary gewähren nur ausgewählten Personen Zugang. Sebastian Gradinger hat das Innenleben solcher Vereinigungen erforscht. Im Interview mit manager-magazin.de erklärt er, wie die elitären Zirkel funktionieren - und welche Chancen sich den Mitgliedern eröffnen.

mm.de: Herr Gradinger, Sie sind Mitglied eines Serviceclubs. Wie haben Sie das geschafft?

Sebastian Gradinger studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Trier. In seiner Dissertation befasste sich der 31-Jährige mit Serviceclubs und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Neben dem Studium arbeitete er als Darsteller in Fernseh- und Printwerbungen. Seit März 2006 ist Gradinger Trainee bei den DM-Drogeriemärkten.
Gradinger: Ich bin Mitglied bei Round Table. Das ist ein englischer Serviceclub, der für junge Männer von 18 bis 40 Jahren vorgesehen ist. Mich hat damals mein Steuerberater angesprochen, ob ich nicht daran interessiert bin, in einen solchen Verein einzutreten - um mich sozial zu engagieren.

mm.de: Wie wurde Ihr Steuerberater auf Sie aufmerksam? Er hätte auch andere Kunden fragen können.

Gradinger: Ich war zehn Jahre lang selbstständig als Fotomodell tätig und habe so mein Studium finanziert. Dadurch, dass ich auch in einigen Fernsehspots mitgewirkt habe, hatte ich viel Öffentlichkeit. Mein gegensätzliches Berufsleben - Wissenschaftler und Fotomodell - war für den Club interessant. Außerdem war ich lange Jahre in Vereinen engagiert.

mm.de: Welche Art von sozialem Engagement setzen Serviceclubs voraus?

Gradinger: Das müssen keine sozialen Projekte im eigentlichen Sinne sein. Zum erwünschten bürgerschaftlichen Engagement zählt bereits die Tätigkeit im Schützenverein oder im Fußballclub. Alles, was in irgendeiner Form mit Ehrenamt zu tun hat. Ich selbst war unter anderem im Schwimm- und im Segelverein, darüber hinaus habe ich mich in der studentischen Fachschaft engagiert. Mitglieder werden außerdem auch danach ausgewählt, welches soziale Netzwerk sie mitbringen.

mm.de: Kandidaten sollen also schon in ein festes Netzwerk eingebunden sein, bevor sie dem neuen Netzwerk beitreten? Wozu?

Gradinger: Letztlich geht es nicht unbedingt darum, das Netzwerk für berufliche Zwecke zu nutzen. Man holt Personen in den Club, die viele Leute kennen, weil das vor allem für unsere sozialen Projekte hilfreich ist. Wenn wir zum Beispiel eine Schule unterstützen wollen, dann fragen wir den Handwerker, ob er kostenlos Werkzeug besorgen kann. Und wir fragen den IT-Unternehmer, ob er gebrauchte Computer zur Verfügung stellen kann.

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