Mittwoch, 17. Oktober 2018

Verhandeln in Indien Hindus, Kasten und heilige Kühe

Trotz der Öffnung gen Westen ist Indien für viele Unternehmer ein exotischer Subkontinent geblieben, der eine irritierend große Zahl an Menschen und Kulturen aufweist. Wer hier erfolgreich verhandeln will, muss mit Hierarchien leben, sollte feilschen können und darf keine Angst vor Nähe haben.

Heute leben ungefähr 1,1 Milliarden Menschen in Indien. Die Hauptstadt Neu-Delhi ist mit circa 14 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes. Die Landessprachen sind Hindu und Englisch, zudem gibt es 21 weitere anerkannte Sprachen und über 500 Dialekte.

Sergey Frank, in Österreich geborener Jurist russischer Herkunft, hat für viele namhafte Unternehmen in diversen Ländern verhandelt und Büros eröffnet. Er kennt die Stärken und Schwächen von Verhandlungspartnern und veröffentlichte das Buch "Internationales Business - Verhandeln, Präsentieren, Business English". Frank ist Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants.
Ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung gehören dem Hinduismus an, 13 Prozent dem Islam und ein kleiner Anteil von etwa 2 Prozent dem Christentum. Der Hinduismus ist die vorherrschende Religionszugehörigkeit und auch im Geschäftsleben trifft man somit am häufigsten auf Hindus. Die Gesellschaftsordnung der Hindus ist das Kastensystem (lat. "castus" = "rein") und hierarchisch strukturiert. Es hat bis heute die stärksten Einflüsse auf die indische Gesellschaft. Menschen einer Kaste haben eine gemeinsame Lebensform, die sich von anderen Kasten unterscheidet. Die Kaste bestimmt den gesellschaftlichen Rang. Auch wenn es eine theoretische Gleichheit vor dem Gesetz gibt, ist die Ungleichheit zwischen den Kasten akzeptiert.

Man unterscheidet zwischen "varna" und "jati" (gesprochen: dschati). Zu den vier Varnas, auch Hauptkasten genannt, gehören: 1. Brahmanen: Priester und Lehrer, 2. Kshatriyas: Krieger, 3. Vaishyas: Händler, Handwerker, Bauern und 4. Shudras: Diener, Landarbeiter. Die Hauptkasten teilen sich in rund 3000 Unterkasten auf. Die sogenannten Jatis sind neue Rangordnungen innerhalb der Varnas, die durch die Heirat von Menschen unterschiedlicher Klassenzugehörigkeiten entstanden.

Die Jati ist die Gruppe, in die jemand hineingeboren wird. Im Laufe der Zeit bildeten sich für diese Unterkasten eigene Dogmen heraus, wie beispielsweise die Endogamie (Heiratsbeschränkung auf die eigene Gruppe), die Kommensalität (die gemeinsames Essen nur mit Angehörigen der eigenen oder einer höheren Kaste gestattet) und eine Art Gewerbezwang, die jede Kaste mit einem bestimmten Beruf verbindet.

Geschütztes Tier: Kühe sind in Indien heilig
Gläubige Hindus verehren Kühe. In Städten können Sie beobachten, dass Inder sich lieber platt an eine Hauswand drücken, als einer Kuh im Weg zu stehen. Die Verehrung verbietet es ihnen, auch Rindfleisch oder Produkte, in denen Rind verarbeitet ist, zu essen.

Das Tragen von Leder (auch in Form von Gürteln und Geldbörsen) kann deshalb als anstößig oder beleidigend aufgefasst werden. Gegessen wird stattdessen Lamm, Huhn und Fisch. Die Fleischsorten müssen aber "halal" sein, also auf rituelle Weise geschlachtet werden. Vegetarismus ist in Indien sehr verbreitet. Janisten essen weder Fleisch, Honig und nur wenig Gemüsesorten.

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH