Montag, 19. November 2018

Großsponsor Jacobs-Stiftung rettet mit 200 Millionen Euro Bremer Privatuni

Die Jacobs Foundation unterstützt die in Geldnot geratene International University Bremen mit einer großzügigen Spende. Für die "private Exzellenzinitiative" bedankt sich die eine von bundesweit drei Privatunis mit einer Namensänderung - sie heißt fortan nach dem Bremer Kaffee-Imperium Jacobs University.

Bremen - Vor einem halben Jahr hat sich Joachim Treusch, 65, neuer Präsident der International University Bremen (IUB), noch mit einem flotten Spruch Mut gemacht: "Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann muss man den Kopf besonders hoch halten", erklärte er dem manager magazin. Nun kann er mit erhobenem Kopf den ersten Erfolg präsentieren: Die IUB hat einen großen privaten Spender gefunden.

Die Schweizer Jacobs Foundation will 200 Millionen Euro in die Bremer Privatuniversität investieren und auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafteranteile übernehmen. Der Plan: In den kommenden fünf Jahren gibt sie jährlich 15 Millionen Euro für Forschung und Lehre; im Jahr 2011 will sie zusätzlich 125 Millionen Euro bereitstellen, um so ein "wettbewerbsfähiges Ausbildungs- und Forschungsniveau dauerhaft zu gewährleisten". Den Stiftern zollt die Hochschule mit einer Namensänderung Tribut, streicht das "International" und firmiert fortan unter "Jacobs Universität Bremen".

Eine derart große Spende ist in der Geschichte der deutschen Hochschulen einzigartig. Diesen Coup hatte die IUB auch bitter nötig - angesichts der Löcher in ihren Kassen. Allein für 2005 verzeichnete die Bilanz der IUB-GmbH einen Fehlbetrag von 20,9 Millionen Euro; 2004 waren es 18,4 Millionen Euro. Die Substanz des 106-Millionen-Euro Startgeldes vom Land Bremen ist längst angegriffen: Bankkrediten über 89 Millionen Euro standen laut Bilanz Ende 2005 nur Wertpapier-Fonds von 76 Millionen Euro gegenüber.

Durch die Zuwendungen der Jacobs Foundation kann die Hochschulleitung aufatmen. Die 1988 gegründete Stiftung des großen Kaffeerösters unterstützt etliche Projekte vor allem in der Bildung und engagiert sich auch bisher schon an der IUB. 2003 ermöglichte sie mit zehn Millionen Franken die Einrichtung des "Jacobs Center for Lifelong Learning and Institutional Development". Dass Jacobs ausgerechnet in Bremen aktiv wird, erklärt sich auch aus der Unternehmensgeschichte: Das Kaffeehandelshaus wurde einst in der Bremer Altstadt gegründet und verlegte den Sitz 1973 nach Zürich.

"Wunderbares Geschenk für Bremen"

Bei der IUB-Pressekonferenz am Mittwochmorgen bezeichnete Unternehmer Klaus J. Jacobs den 200-Millionen-Euro-Einsatz als "richtige Schritt zur richtigen Zeit in der richtigen Größenordnung". Stiftungspräsident Christian Jacobs nannte die Hochschule einen "leistungsstarken Verbündeten". Dass Jacobs so groß einsteigt, enthebt auch die Hansestadt einiger Sorgen. Bildungssenator Willi Lemke sprach von einem "wunderbaren Geschenk für Bremen", Bürgermeister Jens Böhrnsen schwärmte von der "privaten Exzellenzinitiative" als außergewöhnliche Chance zum Ausbau Bremens als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort.

Der Bremer Coup bedeutet eine überraschende Wende. Mit ehrgeizigen Zielen war die IUB 1999 gestartet, als Deutschlands Bildungspolitikern mit quicken privaten Neugründungen der behäbigen staatlichen Konkurrenz Beine machen wollten - es kam zu einem regelrechten Länder-Wettlauf um die schickste neue Privathochschule. Ausgerechnet das hoch verschuldete Bremen gewährte der IUB mit über 200 Millionen Mark eine derart üppige Starthilfe, dass man in anderen Bundesländern und in der Hochschulrektorenkonferenz nur noch verdattert die Köpfe schüttelte.

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