Dienstag, 11. Dezember 2018

manager-lounge Tempel für einen Mythos

Eine Vision zu haben, sie umzusetzen und damit viel Geld zu verdienen, davon träumt wohl jeder Manager. Vom Potenzial der Visionen und des Pioniergeists konnten sich Mitglieder der manager-lounge nun bei einer exklusiven Führung im neuen Mercedes-Benz-Museum überzeugen. Dort wurde der Idee Automobil ein wahrer Tempel errichtet.

Stuttgart - Dass seine Erfindungen wegweisend sein könnten, mag sich Gottlieb Daimler gedacht haben. Bereits 1911 stellte er in Stuttgart einige der ersten, damals gut 15 Jahre alten Motorkutschen aus und legte damit den Grundstein des heutigen Museums.

Tradition und Moderne: Hinter der kühnen Fassade des Mercedes-Benz-Museums verbergen sich automobile Schätze
Wie weit es einst mit dem Automobil kommen würde, konnte er allerdings bei all seinen visionären Fähigkeiten nicht erahnen: "Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren", soll er einst prognostiziert haben.

"Seither hat sich ein bisschen was getan", erklärt Georg Auffahrt den Gästen verschmitzt. Der Herr, der da im Museum das sprichwörtliche schwäbische Understatement demonstriert, ist selbst eine Art Ausstellungsstück. Er arbeitete bereits im alten Mercedes-Museum, das im Untertürkheimer Werk des Autobauers angesiedelt war. Dann ging Georg Auffahrt in den Ruhestand, bevor das Unternehmen den 72 Jahre alten Fachmann für den Museumsdienst "reaktivierte", wie er selbst sagt. Eine weise Entscheidung, denn die Führungskräfte der manager-lounge, allesamt bekennende Autonarren, hängen ihm beim Rundgang durch die heiligen Hallen des Automobils an den Lippen.

Allein schon das Bauwerk beeindruckt die Teilnehmer. Die gewaltige Konstruktion aus Glas und Beton ruht mit ihren 110.000 Tonnen Gewicht auf 1400 Pfeilern, weil unter dem Baugrund das Wasservorkommen Bad-Cannstatts liegt. Innen ragt ein gewaltiges Atrium 50 Meter in die Höhe, mit futuristischen Fahrstühlen gelangt man in das oberste Stockwerk, von wo aus sich die Ausstellung in zwei Spiralen wie eine Doppelhelix rund um den Gebäudekern nach unten windet.

Begründetete einen ganzen Industriezweig: Daimler Motorkutsche von 1886
"Die Herausforderung war es, etwas Bewegendes wie das Automobil in etwas Stehendes wie ein Museum zu setzen", sagt der Leiter der Besucherbetreuung Armin Gröger. Die niederländischen Architekten van Berkel & Bos lassen den Besucher auf schimmernden Rampen herabwandern, einmal durch den Bereich "Collection", wo Nutzfahrzeuge und Personenwagen nach thematischen Schwerpunkten geordnet sind, und einmal durch den Bereich "Mythos", der Fahrzeuge aus der 120-jährigen Produktgeschichte präsentiert.

Und hier kommt Georg Auffahrt so richtig in Fahrt. Stolz führt er die Daimler Motorkutsche von 1886 vor, das erste Automobil der Welt. Es konnte die atemberaubende Geschwindigkeit von 18 km/h erreichen. Ehrfürchtig stehen die Besucher drumherum und so manch einer denkt an seinen eigenen Mercedes vor der Tür, mit dem er mehr als zehnmal so schnell unterwegs ist.

Georg Auffahrt relativiert derweil trotz seiner Begeisterung recht nüchtern die Pionierleistung von Gottlieb Daimler, Carl Benz und Wilhelm Maybach. "Die Zeit war einfach reif", sagt er, "wenn es nicht Daimler und Benz gewesen wären, hätten spätestens nach einem halben Jahr andere die Idee umgesetzt, denn die Komponenten waren bereits vorhanden."

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