Mittwoch, 21. November 2018

WTC Silverstein und die ewige Baustelle

Jahrelang hatte der Immobilienmogul Larry Silverstein, Pächter des zerstörten World Trade Centers, mit den Versicherungen um die Höhe der Schadenssumme gerungen. Nun wurde ein endgültiges Urteil gefällt. Ob mit Auszahlung der Milliarden der Stillstand am Ground Zero ein Ende findet, scheint trotzdem fraglich.

New York - Ein Berufungsgericht in den USA hat im Streit um die Höhe der Versicherungssumme des bei Terroranschlägen zerstörten World Trade Centers (WTC) die Entscheidung zweier anderer Gerichte bestätigt.

4,6 statt sieben Milliarden: WTC-Pächter Silverstein hatte jahrelang mit den Versicherungen gestritten
Das Berufungsgericht legte nun fest, dass die Interpretation über die Zahl der Schadensfälle nicht angefochten werden kann. Damit wurde einerseits die Rechtsauffassung von Swiss Re Börsen-Chart zeigen bestätigt, deren Vertrag von einem einzelnen Schadensereignis ausgeht. Andererseits muss die Allianz Börsen-Chart zeigen nunmehr für zwei Schadensfälle aufkommen.

Der Pächter des WTC, Larry Silverstein, wird insgesamt 4,6 Milliarden Dollar von den Versicherungskonzernen einstreichen. Silverstein hatte argumentiert, dass es sich um zwei Anschläge gehandelt und er damit ein Anrecht auf insgesamt sieben Milliarden Dollar habe.

Terroristen der al-Qaida-Gruppe hatten am 11. September 2001 zwei Flugzeuge gekapert und in die Hochhäuser im Finanzdistrikt an der Südspitze Manhattans gelenkt. Die beiden Türme des World Trade Centers stürzten innerhalb weniger Stunden ein. 3000 Menschen kamen ums Leben.

Im April 2004 hatte ein Geschworenengericht entschieden, dass verschiedene Versicherungsunternehmen, unter ihnen auch die Swiss Re, Verträge unterzeichnet hätten, die die Zerstörung als ein einzelnes Ereignis ansahen. Sie zeichnen insgesamt 1,8 Milliarden Dollar der Gesamtschadenssumme.

Im Dezember 2004 hatte ein weiteres Geschworengericht festgestellt, dass in neun anderen Verträgen die Sprachregelung festlegte, dass es sich um zwei unterschiedliche Schadensfälle handelt. Zu den betroffenen Versicherern gehört auch die Allianz Global Risks US Insurance, eine Tochter des deutschen Versicherers Allianz. Dieses Urteil bedeutet, dass Silverstein zusätzlich 1,1 Milliarden Dollar erhält. Daraufhin hatten Anwälte beider Seiten Berufung eingelegt, um festzustellen, welche Interpretation die richtige ist.

Von dem nun gefällten Urteil profitiert vor allem die Swiss Re. Der Schweizer Rückversicherer hätte Silverstein bei einer Niederlage etwa 1,7 Milliarden Dollar zahlen müssen. Die Allianz dagegen ist der Verlierer des Verfahrens. Die Versicherung sieht jedoch keine zusätzlichen Belastungen auf sich zukommen. "Finanziell gibt es keine negativen Auswirkungen. Wir haben schon ausreichend Rückstellungen gebildet", sagte ein Sprecher des Münchener Konzerns. Mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro hat sich die Allianz gegen die Anschläge abgesichert.

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